Bericht von meiner Südseereise rund Vanua Levu, Marius Sax

Mein vorläufig letztes Abenteuer in der Südsee führte mich am 26.9.2012 nach Fidschi, genauer gesagt nach Savusavu auf Vanua Levu, der zweitgrössten Insel Fidschis. Die «Wonderland» lag in der als «Hurrican-hole» bekannten Flussmündung Savusavus, vertäut an der MV Curly, benannt nach Besitzer Curly Carswell, mit dem wir im Jahr zuvor in Tonga von Vavau nach Tongatapu gesegelt waren.


Die erste Woche in Fidschi habe ich das PADI gemacht, bin also jetzt auch Taucher... War i.O. Aber über Wasser ist mir wohler. Den Kurs habe ich in Roland Schenkels «Dolphin Bay Diver's Retreat» absolviert. Dieses Resort ist von Savusavu aus über eine etwa vierstündige Bus- und eine zweistündige Bootsfahrt zu erreichen. Rolands Ferientauchanlage liegt wie Savusavu auf Vanua Levu, ist aber nur über das kleinere, als Garteninsel bekannte, Taveuni zu erreichen. Man kann bei Roland entweder im Zelt oder einer Holzhütte – man nennt diese hier Bures – übernachten. Die ganze Anlage für maximal etwa 20 Gäste ist mitten im Wald und direkt am Strand. Roland bietet alle Padi-Kurse an und gilt als zuverlässiger Tauchlehrer. Er stammt von den Schenkels auf Schloss Wellenberg bei Frauenfeld ab und lebt seit 14 Jahren in Fidschi. Nach dem Kurs zum Open Water Diver habe ich noch zwei zusätzliche Tauchgänge zur white und zur purple wall gemacht, welche zu den weltweiten topspots gehören sollen. Die farbigen Korallen an einer auf etwa 80 Meter Tiefe abfallenden Wand sind eindrücklich. Aber Fische habe ich in grösserer Vielfalt und Grösse beim Schnorcheln schon oft gesehen – am meisten und beeindruckendsten immer noch die Südpassage zu Fakarava in den Tuamotos.

Wieder zurück in Savusavu waren die boat chores angesagt: Verproviantieren, auftanken, alles bereit machen - viel Arbeit... und immer im Schweisse seines Angesichts, denn wenn es nicht gerade regnete, war die Luftfeuchtigkeit extrem hoch und die Temperaturen stiegen an der Sonne bald ins Unerträgliche.
Dann ging es langsam vorwärts:
Nach vielen Tagen neben Curly vertäut legten wir ab und verliessen Savusavu zumindest halb, denn wir setzten unseren Anker etwa fünf Meilen entfernt am Ende einer grossen Bucht vor einem Resort namens Cousteau, das wirklich auf den legendären Cousteau zurück geht, der hier viel tauchte. Seinem Sohn (oder Enkel?) soll noch die Tauchschule gehören. Zunächst hielten wir uns fern, denn die Preise fürs Essen liegen zwischen 60 und 80 Dollar.
Die erste Nacht war ich alleine an Bord. Bootseignerin Evi ist nochmals per Bus nach Savusavu zurück, um mit Curly ein "klärendes Gespräch" zu führen. Beide kommunizieren relativ schlecht. Curly war nach etwa vier Tagen Abwesenheit plötzlich wieder aufgetaucht und mit der Fähre zurückgekommen. Offenbar hatte es in letzter Sekunde in seiner Gerichtssache in Tonga wegen einer Überführung mit viel Problemen (u.a. kam der Mast herunter und der Eigner bezahlte plötzlich nicht mehr) doch noch eine Übereinkunft gegeben. Tatsächlich hatte er einmal mehr Probleme: auf der Rückfahrt vom internationalen Flughafen zum nationalen haben sie ihm im Bus den Pass geklaut...
Wenn er dereinst wirklich mitkommt nach NZ, wird er ja einen Ersatz haben - es soll «nur» drei Wochen dauern.
Jetzt ist der britisch/südafrikanischen Katamaran Puddythat, der die ganze Zeit als einziges Boot neben uns lag, abgefahren. Es hat allerdings keinen Wind und gestern hat's - zur Abwechslung mal wieder - kräftig geregnet.
Evi wollte gegen (vermutlich ja nach...) Mittag zurück sein.

Natürlich war dann wieder alles anders: Telefon klingelt, ich müsse auch nach Savusavu zurück zur Immigration und mich dort als neues Crewmitglied präsentieren. Na toll, denn der Bus fuhr natürlich in 30 Minuten und ich hatte eben noch die Zahnbürste im Mund...

Also Loshetzen, Dingi runterlassen, Kühlschrank ausschalten, Luken dicht und ab mit dem Dingi und es an Land an einem Baum festmachen.

Teures Paradies

Vermutlich lagen die Europäer am folgenden Tag noch im Tiefschlaf, während ich leergeschissen und gebadet war. Gefrühstückt hatte ich sowie schon und am Splitrock getaucht ebenfalls. Dieser knapp bis unter die Wasseroberfläche reichende gespaltene Felsbrocken bildet ein herrliches marines Biotop, gefördert von den Cousteau-Leuten, welche die Fische füttern. Uns haben sie aus lauter Gewohnheit dann ebenfalls angeknabbert... ein eher seltsames Gefühl auf der Haut.

Gestern Abend waren wir - leider – doch noch im Cousteau-Resort. Leider, denn ein Bier kostete $ 12.50! Nicht gerade unser Budgetrahmen. Es ist zwar alles sehr schön, auch einen klimatisierten Weinkeller haben sie - Preise für die Weine zwischen 50 und mehreren hundert Dollar. Der geteilte Felsen, wo wir schnorchelten, ist für glücklicherweise für alle Budgets derselbe; Luft, Sonne und Regen ebenfalls.
Leider soll es am Wochende schlechtes Wetter geben; jetzt scheint noch die Sonne, der Windgenerator brummt.

Vorgestern mussten wir wieder mal dieseln, weil der Wind kaum geblasen hat und die Solarpanels nicht alles aufladen konnten - gut, das Müssen hat auch ein bisschen mit Evis schlechter Motorbatterie zu tun, die ersetzt werden sollte und wird, aber erst dereinst in Neuseeland. Da will sie natürlich immer genug Saft auf den Hausbatterien haben, falls wir diese notfallmässig zum Motorstart brauchen.

Von Cousteau über Fawn Harbor zur Viani Bay

Schliesslich starteten wir unser Fidschi Segelabenteuer am 22. Oktober von Cousteau aus. Nachdem wir das Leuchtfeuer in gebührendem Abstand umfahren hatten, legten wir unseren Kurs so weit als möglich gegen Osten an. Weil die Küste Vanua Levus in nordöstlicher Richtung verläuft, waren wir gezwungen aufzukreuzen. Wir segelten rund 20 bis 30 Meilen, bevor wir den Wind genau auf die Schnauze hatten und also die Maschine zu Hilfe nehmen mussten. Wie immer ging dann das Suchen der Riffeinfahrt wieder viel zu früh los: Man muss einfach schon beinahe dort sein, bevor man überhaupt etwas ausmachen kann. Die Einfahrt nach Fawn Harbor war ja auch keine 08.15-Einfahrt. Immerhin führt sie in einem Zickzack-Kurs durchs Riff.

Trickreiche Riffeinfahrt – Sturmsaison
Für die teils wirklich trickreichen Zickzackeinfahrten in die Riffe sind wir doch schon um die Spieren respektive Pföstchen froh, die sie in Fawn Harbor etwa als Kennzeichnung des Fahrwassers eingesetzt haben. Aber Warschau ist auch hier alles, man sieht ja zum Glück das sich brechende Wasser und die unterschiedliche Färbung desselben. Vorsicht ist aber immer nötig. Auch dieses Jahr sind schon wieder mehrere Yachten zu (Total-) Schaden gekommen. Eine, «Touché», weil sie eine übernommene Route mit Wegpunkten so eingestellt hatte, dass nur alle 30 Sekunden eine neue Position bestimmt wurde. Das hat dann eben nicht gereicht. In einer halben Minute muss man manchmal den Kurs zweimal wechseln...

Das mit der Cyclone-Season ist so eine Sache: Fährst du hier los, bevor sie hier beginnt (ab November beginnt sie «versicherungstechnisch»), hast du eine grosse Chance in NZ 30 – 40 Knoten auf die Fresse (also von Süden) zu bekommen. Es ist also so was wie die Quadratur des Kreises. Ein Einhandsegler, David, der vor drei Tagen hier wegsegelte, meinte via SSB, er werde dann halt beidrehen... Wohl nicht das Schlechteste.
Wir haben gestern aus Mangel an Wind weitere 20 Meilen unter Maschine zurückgelegt und die nächste Bucht, Viani Bay, angelaufen.

Seniorenmarsch

Fällt mir gerade ein, dass ich noch nicht vom Ausflug zur heissen Quelle erzählt habe. Sie liegt eine gute halbe Stunde vom kleinen settlement (6 Familien) entfernt. Der achtjährige Ernest wurde uns als guide mitgegeben. Ein Marsch über einen Stacheldraht mit vier Bachüberquerungen führte zu einem kleinen Pool, der von einer knapp 40-grädigen Zufuhr direkt aus zwischen den Felsen gespiesen wird. Ich genoss ein heisses Bad und natürlich benutzten wir das warme Wasser auch, um wiedermal Wäsche zu machen. Evi nahm ihr Bad im etwas grösseren Pool, der auch von kaltem Wasser gespiesen wird und somit eine lauere Temperatur aufwies.
Auf dem Rückweg ist Evi über den Stacheldraht gestürzt, weil sie als bald 73-Jährige wie ein Hiphoper auf der als Übersteigungshilfe hingelehnten Astgabel springend vom einen auf den anderen Fuss wechseln wollte und dadurch das Ganze zum Kippen brachte, wodurch sie sich herrlich lange Blutstriemen an den Beinen zufügte. Autsch...
Aber in der Beziehung ist sie ziemlich cool und hart im Nehmen. Schon nach kurzer Zeit trug sie ihre Wäsche wieder selber.

Nach vier Tagen lichteten wir den Anker in Fawn Harbor und motorten zur Viani Bay. Manchmal brennt die Sonne hier erbarmungslos runter. Genau bei der Fahrt durchs Riff hatten wir allerdings zuerst an einen europäischen Herbst gemahnendes trübes Wetter und Regen – Murphy sorgte dafür, dass es natürlich gerade bei der kritischsten Phase der Riffdurchfahrt kräftig schüttete und die Sicht gegen null ging. Immerhin lässt sich der Regen bei Temperaturen um +25° C gut aushalten.

Manchmal könnte man sogar ein wenig von der europäischen Kühle gebrauchen. Man muss hier mindestens zwei- bis x-mal ins Wasser springen, um sich jeweils wieder abzukühlen. Damit das herrliche Bier (Fiji Gold) nicht gleich wieder zur Birne hinaus tröpfelt. 

Am 1. November fuhren wir dann noch zur nahe gelegenen Dolphinbay, von dort ging es dann nach Kioa und Rabi weiter. In der Dolphin Bay gab es ein Wiedersehen mit dem Team um Roland und dem in Savusavu gesehenen Bernhard, welcher von da an unser dritter Mann an Bord war. Die Fahrt unter Maschine zu Kioa war nur kurz, wir ankerten nach einigen Versuchen schliesslich in ausreichend tiefem Wasser und in gebührendem Anstand zu den einheimischen Fischerbooten. Die grosse Tiefe ist oft ein Problem, unter 60 Meter Kette wäre es an einigen Orten wohl ziemlich riskant, respektive unmöglich. Kioa war von Siedlern des Vaitupu Atolls in Tuvalu 1947 gekauft worden, weil ihr Atoll überbesiedelt war. Die knapp 600 Leute besitzen zwar heute die Fidschianische Staatsbürgerschaft, halten aber nach wie vor an ihrer Sprache fest. Es gibt Absichten, alle rund 9000 Tuvaluer – heisst das so? – nach Fidschi umzusiedeln, sind ihre Inseln doch alle vom ansteigenden Meeresspiegel bedroht. Leider fand während unseres Besuchs gerade keine Präsentation ihrer traditionellen Bräuche statt, welche mit einem Verkauf von kunsthandwerklichen Arbeiten verbunden sind und für Gäste des in der Gegend segelnden Traditionsschiffes organisiert werden.

Ob wir es dann noch wie eigentlich geplant zu den nödlichen Lau-Inseln schaffen würden, bezweifelte ich schon damals.

Tauchen und Taveuni
Die Bucht in der wir heute Sonntag liegen heisst Viani Bay. Jack Fisher bewohnt mit seiner Familie die Gestade der weitläufigen, aber doch recht gut geschützten Bucht (Riffe und von Süden her durch die hohen Berge von Taveuni abgeschirmt).

Nach einem Tag hat die in Freemantle immatrikulierte Yacht Westward II hier bei Jack Fisher an der zweiten Boje festgemacht. Selena und Stephen haben wir schon in Fawn Harbor kennen gelernt. Beide tauchen und da sie eine zusätzliche Ausrüstung  und einen Kompressor an Bord haben, bin ich zum Tauchen eingeladen worden. Mittlerweilen habe ich nochmals an der purple und an der white wall sowie bei der sog. fishfactory je einen etwa 30-minütigen Tauchgang machen können. Es ging alles sehr gut.

Vorgestern sind wir dann alle zusammen mit der Wonderland nach Taveuni gemotort (auf dem Hinweg war der Tümpel so flach wie der Bodensee im Sommer - auf dem Rückweg hat es dann trotz wenig Wind recht geschaukelt). Jack hat, während wir einen Ausflug zu drei Wasserfällen gemacht haben, auf Wondy aufgepasst. Zum obersten Wasserfall konnten wir dann aus Zeitgründen (wären drei statt zwei Stunden gewesen inklusive Taxifahrt) nicht mehr gelangen. Es hat dann leider auch wieder geregnet, so dass wir von der herrlichen Aussicht nicht viel sahen.

Bevor wir dann wieder an Bord zurück gingen haben wir noch eingekauft, denn Gemüse und Brot waren alle und Bier langsam knapp. Jetzt sind wir für zwei bis drei Wochen wieder eingedeckt. Und dann werden wir auch schon bald wieder in Savusavu zurück sein, um uns auf die Überfahrt nach NZ vorzubereiten. Gestern haben wir dann das kleine Dorf in der Viani Bay ausgekundschaftet und bei Jack, Sophie und deren etwa 10-jährigen Tochter einen Zitronengrass-Tee getrunken.

Gestern gab es dann Hummer – Evis Leibgericht, den sie in Taveuni gekauft hatte.

Auch einen Fisch hatten wir gekauft, denn gefangen hatten wir bis anhin noch nichts. Offenbar ist auch hier schon viel leergefischt worden, vorab von den Chinesen, die im Gegenzug für Fischereirechte eine völlig unnötige Strasse von Savusavu nach Loa quer durch den Dschungel bauen.

Am 1. November fuhren wir dann noch zur nahe gelegenen Dolphinbay, von dort geht es dann nach Kioa und Rabi weiter. Ob wir es dann noch zu den nödlichen Lau-Inseln schaffen, wag ich eher zu bezweifeln.

Buca Bay nach Rabi

Nach unserem feuchten Ausflug zur Missions-Krankenhaus-Kantine, welche natürlich geschlossen war (Öffnungszeiten am Nachmittag von 16.00 bis 16:30 Uhr) und der Nacht unter ständigem und teilweise heftigem Regen, welcher unseren Backbordtank wieder gefüllt hat, machten wir uns zur Abfahrt Richtung Rabi (auch das wird anders ausgesprochen als geschrieben, wie viele Bezeichnungen hier: Rämbi) bereit. Die Navigation war eigentlich sehr einfach, aber Evi ist immer besorgt und übervorsichtig. So haben wir immer am Compi Open CPM mit den elektronischen Karten am Laufen, den I-Pad mit den Navionics-Kareten und dann gebe ich noch die jeweiligen Wegpunkte im Garmin-GPS ein und „mache“ eine Route, der wir dann folgen (sollten). Dazu später mehr.

Nach einer längeren Anker-Auf-Aktion - Evi wollte zuerst die gesamte Kette gereinigt haben, was die Wondi dann gegen das Land driften liess, worauf ich intervenierte, denn die untiefen Stellen begannen schon einige hundert Meter hinter unserem Ankerplatz. Schliesslich waren wir dann ganz langsam unterwegs, damit noch die Kette gereinigt werden konnte, aber immerhin: wieder unterwegs. Allerdings unter Maschine, obwohl man hätte segeln können. Das änderte sich erst als der Wind aufdrehte und unsere 32-PS-Universal-Maschine noch zwischen 2 und 3 Knoten lief, was auch für die noch rund 14 sm 6 Stunden bedeutet hätte und es schon kurz nach Mittag war. Also schlug ich vor, mindestens die Genua teilweise rauszuziehen, denn der Wind wehte mittlerweile mit gut 20 Knoten. Und siehe da: aus denn schlappen 3 wurden 5 bis 7 Knoten. Die Einfahrt zur Catherine-Bay erfolgt dann einmal mehr durch ein Riff von beiden Seiten, diesmal allerdings etwa eine viertel Meile (also 400-500 m., ihr Landratten!) breit. Bei der Ansteuerung hatten wir dann etwas mehr Probleme: Nicht nur dass gerade wieder einmal ein Regenschauer durchzog, nein, die beiden elektronischen Karten widersprachen sich. Also erst mal langsam, Augen auf und weiter. Mit dem Überlappen von Google Earth auf die Open CPM-Karte kann man dann recht gut sehen, wie die Riffe wirklich liegen. Dass einer unserer Ankerplatz-Wegpunkte auf Land lag, hat unser (sprich v.a. Evis) Vertrauen in diese Wegpunkte weiter schwinden lassen. Zu Curlys „Ehrenrettung“ sei gesagt, dass er ihr wohl alte Wegpunkte hat zukommen lassen, weil er viele verschiedene auf seinem Laptop hat und alles in einem riesigen Chaos durcheinander liegt. Nützt einem dann aber wenig - ob er die falschen vielen Leuten gegeben hat?

Schliesslich haben wir in der Bucht nicht ganz hinten geankert, weil es dort wohl weniger Wind, dafür aber mehr Moskitos hat. Falls es dicke kommen sollte, könnten wir uns immer noch dorthin verlegen.

Nach dem obligaten Ankerbier, einem ausgedehnten Marsch zur auch hier wahnsinnig übertrieben grossen Kirche und einem Besuch im einzigen Laden, wo wir unser Kilo Zwiebeln kriegten, war dann schon bald wieder sailors' midnight (21 Uhr) und Zeit für die Koje.

Unser nächster Landausflug sollte uns zur hiesigen Hauptstadt Nuku führen. Zunächst sei gesagt, dass auch Rabi nicht von Fidschianern bewohnt wird, sondern von den Leuten von Banabas, einer nördlich gelegenen Insel im Pazifik, welche zu Kiribati gehört und wo eine britische Phosphat-Mine-Gesellschaft die Lebensgrundlage der Bevölkerung zunichte gemacht hatte. Als Ersatz kaufte sie dann 1945 Rabi von Fidschi und seither leben diese - sagt man Banabasser? - Polynesier friedlich hier und schwatzen munter in ihrer eigenen Sprache daher. Schon wieder mussten wir umstellen: mauri heisst hier der Gruss, danke garapa und tschüss sapo.... Ein wenig Englisch können zum Glück aber die meisten.

Leider ist der Kleinlaster, der einem in die „Hauptstadt“ bringt seit einiger Zeit kaputt. Aber wir könnten einen „Bus“ auf der gegenüberliegenden Seite besteigen - dort wohin sie jeden Morgen zweimal ein total mit Schulkindern überfülltes Motorbötchen mit geschätzten 10-20 Zentimeter Freibord bringen. Der Transport sei um 9 Uhr. Also machten wir uns kurz nach 8 Uhr auf den Weg, fuhen durch ein ganz enges Riff, paddelten den letzten Teil. Auf der oberhalb gelegenen Naturstrasse marschierten wir zuerst gemütlich los. Bald trieb uns die immer höher steigende Sonne den Schweiss ins Angesicht. Aber wir dachten ja, dass bald ein erfrischender Fahrtwind uns von der schweisstreibenden Latscherei erlösen würde. Nach einer halben Stunde, es war kurz vor neun - kamen wir an einem Haus vorbei und ich fragte kurz nach. Die Bushaltestelle sei erst im nächsten Dorf, noch etwa 20 Minuten entfernt. Also weiter schwitzen und wacker unsere Morgengymnastik geniessen. Nach rund 25 Minuten begegneten uns zwei Bauern. Ja, der Bus sei jetzt eben zur Schule hochgefahren und wir könnten ihn noch erreichen, die Hauptstadt liege Richtung links an der nächsten Kreuzung. Schliesslich kamen wir zu einem langgezogenen Strassendorf, erreichten die Bushaltestelle vor einem Laden und erfuhren, dass der Bus tatsächlich vor kurzer Zeit abgefahren sei. Aber der nächste fahre um etwa 12 und einer zurück um 15 Uhr.

Wir vertrieben uns die Zeit mit Dorfbesichtigung, Gesprächen mit dem leutseligen, aber nur schwach Englisch sprechenden Ladeninhaber und Evi schlief im Schatten einer Palme, welcher ihr aber immer wieder davon lief. Im Laden gab es wie fast überall nur das Basisangebot zu kaufen, daneben aber ein nach Pommes aussehendes und nach Fasnachts-Schenkeli schmeckendes Gebäck. Da kauften wir drei Plastiktütchen à 30 Cents und freuten uns auf das laut Evi sehr gute Angebot an „Streetfood“ in Nuku.

Der Kleinlaster fuhr dann kurz nach zwölf wirklich los, wenn auch zuerst in die falsche Richtung, zurück zur Wegkreuzung und zur Schule hinaus - egal, Hauptsache wieder unterwegs und endlich etwas Fahrtwind.

Der Laster hielt unterwegs immer wieder an, um Leute zu- oder entsteigen zu lassen. Plötzlich aber kehrte er auf der nicht gerade breiten Strasse und fuhr zurück. Die beiden neuen Passagiere stiegen dann später wohl bei ihrem Zuhause wieder aus, der Laster kehrte, die beiden stiegen dann wieder ein und also ging es jetzt wieder in der richtigen Richtung weiter....

Plötzlich hielt der Laster vor einem Bächlein. Als es unsere Tanks mit Regenwasser so schön gefüllt hatte, war das jetzt munter dahinplätschernde Bächlein offenbar zum reissenden Strom geworden und hatte die Brücke weggerissen. Drei Baumstämme waren der Ersatz, ein etwas grösserer Lastwagen stand auf der anderen Seite auch schon bereit. Also mussten wir nur noch auf den Fahrer warten. Er kam schon nach rund zehn Minuten. Jetzt – nachdem der Laster mit vereinten Kräften angeschoben war, ging es wirklich los zur Hauptstadt, die dann auch bald zu erkennen war. Woran? Natürlich an der überdimensionierten Kirche, alles von der erhöhten Lage aus beherrschend. Dann erblickte ich auch noch ein Tafel auf der postal office stand. Und gleich waren wir auch schon an der Endstation angelangt, beim Gebäude der lokalen Behörde mit der vorgelagerten verfallenen Pier und der Gedenktafel zur Ankunft der Leute aus Banabas. Hinter dem zweistöckigen Behördengebäude, wo um 13 Uhr natürlich gähnende Leere herrschte, befand sich der Laden. Bernhard kaufte dort die einzig Telefonkarte für 6$. Da es nirgendwo etwas zu essen gab, kauften wir eine Packung Crackers und eine Dose Rindfleisch, die wir dann vor dem bis 14 Uhr geschlossenen Postgebäude verzehrten. Zunächst aber schauten wir noch bei der lokalen Polizei vorbei, die Evi ein Formular quasi zur Einklarierung ausfüllen liess, obwohl wir ja immer noch in Fidschi sind. Aber eben, die Insel war ja gekauft worden und offenbar müssen die Leute hier dem fidschianischen Staat auch keine Steuern bezahlen. Ein verstecktes Steuerparadies? Den aus Heidelberg stammenden Herbert können wir jedenfalls nicht mehr fragen. Er hat auf Rabi seine letzte Ruhe gefunden, einzig das HD-Nummernschild am verrostenden Pick-up weist noch auf ihn und seine Herkunft hin.

Nach dem Bummel durchs Dorf und dem Besuch der majestätischen Kirche, die wie alle evangelischen Kirchen nur sehr rudimentät möbliert ist, war bald 15 Uhr und wir warteten auf die Rückfahrt vor der Schule. Einige Kids stiegen auf den Mangobaum und schmissen einige Mangos für uns (Evi) runter Auf der Rückfahrt erfuhren wir, dass als Ersatz für den kaputten „Bus“ ein Boot zur Catherine Bay fahre. Also stiegen wir bei „unserem“ Laden aus und warteten aufs Boot. Als dieses endlich kam, war es sofort mit Leuten voll, Freibord höchstens 20 Zentimeter und der Wind blies kräftig aus Südost. Obwohl es hiess, das Boot kehre in 30 Minuten zurück entschlossen wir uns, den Weg abermals unter die Füsse zu nehmen. Schliesslich war es schon 17 Uhr, die Sonne stand schon tief und wir wollten noch bei Licht beim Dingi sein, um zur Wondi zurück zu gelangen. Als wir beim mit Laub und Meerwasser gefüllten Dingi ankamen, herrschte ziemliche Ebbe und der Wind blies immer noch kräftig gegen den Strand. Ohne grössere Probleme aber mit nassen Hosenböden kehrten wir zum wohl verdienten Anleger-Bier zurück. Zum Nachtessen gab es leicht salzige Blue-Cheese-Spaghetti.

Durch den Mangroven-Dschungel zu Taneri

Taneri lernten wir auf der Lastwagenfahrt kennen. Er hat eine Farm in der Catherine Bay und er lud uns ein, ihn zu besuchen. Bei Flut sei es möglich, mit dem Dingi bis zu seinem Haus zu fahren. Er höre dann das Dingi und hole uns ab. Er habe Bananen, Papayas und Kockosnüsse. Also gingen wir bei Flut los und fanden den Eingang in die Mangroven quasi auf Anhieb. Langsam tuckerten wir flussaufwärts, kamen an zwei kleinen Anlegestellen für Dingis vorbei, sahen aber niemanden weit und breit. Schliesslich wuschen wir unsere mitgebrachten Shirts und Undis und kehrten zur ersten Anlegestelle zurück. Nach einem klerinen Fussmarsch gelangten wir zur Strasse. Wir erkundigten uns nach einem … – den Namen hatten wir aber vergessen. Nachdem wir gesagt hatten, dass er gestern in Nuku gewesen war und heute um 14 Uhr ein Meeting im Dorf habe und wir ihn mehr oder weniger beschrieben hatten, fragte sie uns, ob er allenfalls Taneri heisse. Ja, so lautete doch sein Name. Sie beschrieb dann den Weg zu seinem Haus und tatsächlich fanden wir ihn, er holte für uns Kokosnüsse, Papayas und Bananen. Er wohnt dort in einem einfachen, gemauerten Haus mit Frau Meme, Sohn Michael und einem Neffen. Er müsse noch schnell zur Schule hoch, wo er seinen Computer zum Aufladen liegen habe. Wir offerierten, ihn mit dem Dingi zum Dorf zu bringen. Wir warteten wohl eineinhalb Stunden auf ihn. Es war viertel nach zwei, als wir uns auf den Weg machten. Er hätte ja um14 im Dorf sein müssen. Bislang haben wir ihn nicht mehr gesehen.

Von der Catherine Bay über Albert Cove zum Budd-Reef

Am nächsten Morgen ging es weiter, um die südwestliche Ecke von Rabi herum nordwärts nach Albert Cove, einer zwischen zwei Riffen gelegenen Bucht, wo wir uns schon aufs Schnorcheln freuten. In der Catherine Bay war mit Schnorcheln nicht viel zu wollen, denn alle von Mangroven umgebenen Buchten - vor allem wenn darin noch ein Fluss mündet -     eignen sich wenig zum Tauchen. Die nur wenige Seemeilen entfernte Albert Cove erreichten wir unter Segeln und Motor schon gegen drei Uhr, Leider hatten wir keinen Funk- oder Internetempfang mehr. Eigentlich sehr erstaunlich, dass Vodafon hier in Fiji fast überall ihre Antennen aufgebaut haben, so dass auch überall die Leute der - ach so wichtigen - Tätigkeit des Schwatzens nachgehen können. Für uns ist der Internetzugang vor allem des Wetterberichts wegen wichtig. Wir kriegen mehrmals sogenannte Grip-Files, das sind Karten mit den Windvorhersagen, welche noch recht häufig stimmen...

In Albert Cove gibt es drei Familien, die in den drei traditionellen Hütten wohnen und von der Subsistenzwirtschaft leben. Die Natur ist hier ja so grosszügig, sie liefert alles Notwendige. Das Meer den Fisch - sofern ihn die Chinesen oder Japaner noch nicht weg gefischt haben - die Langusten oder Hummer - wenn sie nicht auch schon von uns boaties weggefressen worden sind, was wohl nur nicht passiert, weil kaum Boote sich hierher getrauen; die Landwirtschaft die Bananen (Ess- und Kochbananen), den Maniok, der hier Kassava heisst, Taro, eine andere schmackhafte Wurzelplanze und natürlich die Kokosnüsse, die hier alltäglicher sind, als bei uns der Nebel im Herbst...

Am nächsten Tag stand dann unser erster Landgang an. Bei der ersten der Hütte wurden wir von Atu, Pauline und ihrer Mutter, resp. Schwiegermutter empfangen und gleich zu ihnen eingeladen. Die etwa in Evis Alter stehende Frau war gerade mit dem Flechten eines Korbes beschäftigt, den sie nach Fertigstellung ihr auch gleich schenkte. Immer wieder erstaunlich, wie freigebig die Menschen sind: Das Wenige, das sie aber glücklicherweise meist im Überfluss haben, teilen sie mit dir unaufgefordert und gleichsam selbst verständlich. Das fruchtbare Klima umschliesst auch die Menschen: Atus Baby betrachtete uns Palagi mit grossen Augen, Paulines Bauch kündigte von der in wenigen Monaten anstehenden Niederkunft. Atus Bruder holte uns auf weibliche Anweisung hin (!) einige Kochbananen, Brotbaumfrüchte und Kokosnüsse, die Evi stolz in ihrem neuen Korb versorgte.

Am ersten und zweiten Tag schnorchelten wir ausgiebig rund um unser Boot herum. Die beste Stelle, die ich erst am zweiten Tag entdeckte, war einmal mehr die Seite der Riffeinfahrt, wo die Korallenstöcke aus rund 20 (oder auch mehr) Metern fast zur Oberfläche reichen und wo es eine Vielfalt an kleinen bis mittelgrossen Fischen und Korallen in den verschiedensten Formen und Farben gab.

Am zweiten Tag kamen dann zwei Fuhren von Kindern und Jugendlichen aus Uma, einem südlich von Nuku gelegenen Dorf - dort, wo die Brücke fehlte - welche einen Jugend und Sporttag genossen. Leider gehörte wohl zu ihrem Sport nebst Volleyball und fischen auch das Klauen, denn seither fehlt uns das eine der Ruder vom Dingi... - was wir aber erst am folgenden Tag merkten.

Wir spazierten noch zu den Strand entlang, besichtigten die beiden anderen Häuser, wurden von Pablo, Elisabeth und Jane zu einem kleinen Schwatz in ihr Haus eingeladen. Die Eingänge zu den Hütten sind immer sehr niedrig, denn das Dach reicht rund herum bis rund einen Meter zum Boden. Pablos Hütte hat als einzige ein Solarpanel und eine Batterie, so dass unser Ankerlicht nicht das einzige Licht in Albert Cove war.

Die folgenden 15 Meilen zum Budd Riff waren von der Durchfahrt durch das Texasriff und der folgenden Buddriff-Einfahrt bestimmt. Neben der Maschine zogen wir zum Stabilisierung und zur Verbesserung der Geschwindigkeit wiederum die Genua raus. Trotzdem mussten wir gegen den Wind und die Wellen aufkreuzen. Zweimal, da Evis Berechnungen zu positiv waren. Trotzdem kamen wir recht gut gegen die über 20 Knoten Wind aus Südwest an. In der von der Yacht „Soggy Paws“ gelieferten Fidschi-Beschreibung wurde für Südwestwind eine Bucht als wesentlich besser geschützt hervorgehoben, weshalb dort unser Anker beim dritten Versuch in für Evi annehmbarem Ufer- resp. Riffabstand in rund 55 Fuss Wassertiefe fiel - eine Tiefe, die also gerade noch ausreichend war für unsere 60 Meter lange Ankerkette.

Vom Dorf zur Schule, rollend vor Anker

Am nächsten Tag wollten wir ins Dorf, um unsere Aufenthalts-Erlaubnis beim Chef oder Häuptling einzuholen. Das ist eine fidschianische Tradition, genannt Sevusevu: Man bringt ein Bündel des Yangonastrauches mit, einer staudenartigen Pfefferpflanze, aus welcher eine wässerige und relativ geschmackslose Brühe - genannt Kava - gebraut wird, deren Effekt neben betäubten Lippen ich eigentlich keine feststellen konnte. Offenbar habe ich entweder zu wenig getrunken - eigentlich nicht eine meiner Charakterschwächen - oder jeweils eine für Palagi geschwächte Mixtur erhalten. Aber sie soll einschläfernd wirken und ich habe schon vom Kava-Kater befallene Kreaturen gesehen. Dass man Kava in einem Zug „ex“ hinuntergiessen muss und davor einmal, nachher dreimal in die Hände klatschen soll, war für mich kein Problem, da kam wieder eine meiner Charakterstärken als geübter Biertrinker zum Zug.

Dorfchef Esau haben wir unwissentlich schon bei der Annäherung gesehen, er war hinter einem Riff am Fischen und besuchte uns, nachdem wir in rund 30 Fuss tiefem, aber unangenehm in Legerwall liegendem, Wasser geankert hatten. Er empfahl uns den etwas besser geschützten Ankerplatz - er war v.a. nicht mehr auf Legerwall -bei der Schule, lediglich rund 500 Meter Luftlinie entfernt, aber wir mussten um eine Insel und ein Riff herum rund 2,5 Meilen zurücklegen Dies allerdings, nachdem Evi unseren ersten in Fidschi gefangenen (Thun)fisch zerlegt hatte. Endlich wieder einmal roher Fisch und eine „Beilage“ für unsere nächsten Reis- Brotfrucht- oder Pastagerichte.

Esaus Sohn Willi besuchte uns dann abends mit einem lokalen Boot und nahm uns ins Dorf zu seinem Vater mit, welcher uns quasi in die Dorfgemeinschaft aufnahm und wir also nun offiziell ankern, fischen, fotografieren etc. durften.

Noch vor dem Einnachten waren wir auf der immer noch kräftig rollenden Wondi zurück - das Kavatrinken blieb uns erspart. Vermutlich haben die Erfahrungen mit anderen Fahrtenseglern dahin gehend gewirkt, dass zwar der Yagona-Strauch - er kostet immerhin 10 Fidschi-Dollar - in Empfang genommen wird, aber Kava lieber mit einheimischen Geniessern vernichtet wird.

Mit Willi kamen wir überein, am nächsten Tag die nördlichste der vier Inseln in Budd-Riff, einen auf einer Seite eingefallenen Vulkankrater zu besuchen. Wir würden unter seiner Anleitung mit der Wondi dorthin segeln, ankern und dann mit dem Dingi in den total geschützten Vulkansee (Meerwasser) fahren.

So ein lokaler Führer wie Willi wirkt Wunder, denn plötzlich durfte die Wondi auch viel näher beim Ufer resp. Riff ankern. Die recht lange Dingifahrt zum und durch die Vulkan-Lagune brachte uns an eine Aufstiegsstelle, die es in sich hatte, mussten wir uns doch am fast senkrecht abfallenden Hang an Wurzeln hochziehen. Evi schaffte auch das mit Willis Hilfe. Am Sattel oben angekommen zogen Bernhard und ich dann zum „Gipfel“ - eine wohl ganz falsche Beschreibung eines in der Mitte eingefallenen Vulkans - weiter, während Willi mit Evi zur Lagune zurück kehrte. Sie wollte dort schnorcheln, er mit Evis Harpune fischen. Wir beobachteten dann während des Aufstiegs zur höchsten Stelle, wie er tatsächlich einen Fisch harpunierte. Es sollte aber auch sein einziger bleiben. Wir begegneten einer ganzen Herde Ziegen, welche sich nur auf sicherer Fluchtdistanz näherten und einer Menge wahrer Fallen: Massive Spinnennetze, welche teils auf eine Distanz von sechs Metern gespannt und beinahe so kräftig wie „Chrützli- oder Sternlifade“ waren.

Mit einigen Kratzern, aber sonst heil zurück am Ufer, beluden wir das Dingi mit Brennholz, welches Evi in der Zwischenzeit fürs 60-Seelendorf - davon 20 Kinder und natürlich alle miteinander verwandt... - zusammen gesucht hatte.

Am nächsten Tag ruhten wir uns vor allem ein wenig aus, fuhren aber mit dem Dingi zur Schule und spazierten auf dem Schulweg der Kinder, teils am Ufer teils au einem Weg ins Dorf, um dort unsere Wetterberichte per Internet zu empfangen, was sich aber als sehr schweierig erwies und erst auf der mittelhohen und letzten Anhöhe gelang. Begleitet wurden wir dabei von einer ganzen Schar munter plaudernder Kinder. Am Abend lieferte uns Willi dann noch wie abgemacht die knapp 3 Kilo Hummer, welche wir am folgenden Abend nach einem weiteren etwa 18 Meilen-Schlag - diesmal nur unter Segel - vor Mattei beim Flughafen von Taveuni genüsslich mit der letzten Flasche Rotwein vertilgten. Fast überflüssig zu sagen, dass tags darauf bunkern angesagt war.

Qamea

Von der vor Mattei liegenden „Wonderland“ bis zur Anlegestelle waren es doch noch etwa eine Meile, bei rund 15 bis 20 Knoten Wind von der Seite immer eine Herausforderung, dass wir trocken bleiben. Bernhard und ich schafften dies fast, zweimal kam eine kleine Welle über und nässte unsere Hosenböden. Bei der Anlegestelle - eine einfache und steile Betonrampe - wartete bereits Paul, ein einheimischer Taxifahrer, auf Kundschaft: Handelseinig waren wir uns schnell ,da ich nicht immer die schon günstigen Preise noch runter handeln muss: Für 30 Fidschidollar würde er uns nach Somosomo und zurück zu Markt und Supermarkt fahren und dort warten, bis wir die jeweiligen Besorgungen erledigt hatten. Auf gewohnte effiziente Weise erledigten wir zwei Schweizer den Einkauf und waren schon gegen zwei wieder auf der Wondi zurück und konnten unsere wohlverdienten Ankunftsbiere geniessen.

Unerwünscht im Qamea Resort?

Qamea, eine nur gerade zehn Meilen entfernte Insel erreichten wir zunächst unter Maschine, setzten aber das Vorsegel, sobald wir unseren Kurs etwas östlicher absetzen konnten. Nach einer weiteren Kursänderung, also nachdem wir die beiden Eingangsriffe passiert hatten, konnten wir unseren „Brummi“ - der für ein 40-Fuss-Boot unterdotierte 32-PS-Motor war ursprünglich, wie viele Schiffsmotoren, ein Traktoren-Antrieb - ganz ruhig stellen. Bis zur Annäherung der Buchteinfahrt, welche durch zwei in den Karten nicht vermerkten Markern gut gekennzeichnet ist, blieb er dann auch ruhig.

Unser Anker fiel auf gut sechs Metern Tiefe in der Nähe einer Boje, welche laut Peter - er stoppte bei uns, nachdem er eine Schar Kinder von der Schule nach Hause gebracht hatte - dem Qamea-Resort gehört, welches wir bei der Einfahrt zur Bucht auf unserer linken Seite gesehen haben.

Peter erklärte uns, dass insgesamt vier Dörfer am Ufer existierten und wir bei einem der vier Häuptlinge unser Sevusevu präsentieren könnten. Wir entschlossen uns, es bei Daniel zu tun, dessen Dorf hinter einer gerade neben unserem Ankerplatz liegenden Mangroveneinfahrt liegt. Wegen der schon niedrigen und noch fallenden Tide verabschiedeten wir uns schnell wieder und kehrten zurück.

Am nächsten Mittag machten wir uns auf den Weg zum Resort, in der Annahme, dort einen Tauchgang abmachen, einen Imbiss essen oder aber wenigstens ein Bier trinken zu können. Denkste! Nachdem wir unser Dingi beim Diveshop vertäut hatten, wurden wir gleich an den Manager Graham, ein mittelalterlicher Kiwi, verwiesen. Er entschuldigt sich auf umständliche Weise, er habe nicht die Erlaubnis von den Eigentümern, Leute zu bewirten, welche nicht Gäste in seinem Resort seien. Er müsse schnell via Skype die Erlaubnis einholen. Unterdessen warteten wir unter einem grossen Sonnenschirm im sehr gepflegten Garten. Die Eigentümer waren aber offenbar nicht zu erreichen, weshalb wir mit vollen Geldbeuteln wieder abzogen und unsere Wetten, wieviel wohl ein Bier kosten würde (von 7.50 bis 10 Dollar war geboten worden), verfielen. Schliesslich erfuhren wir aber, dass für ein - unseren Massstäben gemäss - nicht gerade üppiges Drei-Gang-Menü 170 Fidschi-Dollar bezahlt werden müssten... Konjunktiv, denn das hätten wir eh nie bezahlt. Die Preise in den eleganten Resorts sind teils einfach unverschämt - also auch noch teuer in europäischen Massstäben.

Immerhin schnorchelten wir noch im wirklich schönen Haus-Riff des Resorts, denn das Meer gehört ja zum Glück noch (wie lange noch?) uns allen.

Auf dem Nachhauseweg legten wir in der Nähe der Schule an, wo uns Pina, eine angehende Lehrerin, durchs Dorf führte. Vor zwei Jahren hatte ein Wirbelsturm im Dorf einige Häuser flachgelegt, von denen jetzt nur noch die ins Nichts führenden Zementtreppen übrig sind.

Qamea - Matangi - doch noch Essen im Resort

Am Samstag lichteten wir den Anker erst kurz nach Mittag. Aber bis zur Horseshoe-Bay auf Matangi waren es auch nur knapp 10 Meilen. Bei wenig Wind erübrigte sich diesmal sogar das Setzen des Vorsegels. In der Horseshoe-Bay hatten wir dann wiedermal zwei verschiedene Anker-Wegpunkte. Den revidierten von Curly benutzten wir nicht, sondern den alten“, den auch eine andere Yacht benutzt hatte. In einem sandigen Abschnitt fiel unser Anker auf rund 30 Fuss Tiefe. Zwischen zwei, wie ich beim anschliessenden Abklären des Ankergrundes mit der Taucherbrille sah, eigentlich drei Riffs, genügte der Abstand unserer einmal mehr fast übervorsichtigen Evi schliesslich doch. Die Riffe eigneten sich hervorragend zum Schnorcheln, Fische waren auch in verschiedenen Grössen und Farben anzutreffen. Am folgenden Tag machten wir uns zum „um die Ecke“ gelegenen Resort auf wo es laut Curly einige der besten Tauchgelegenheiten Fidschis und „awesome“ Essen geben sollte.

Zwei Tauchgänge und ein Zweigänger

Mit dem Dingi fuhren wir dann zum Matangi-Resort, dessen Manager einmal Leiter der Copra-Farm auf Insel Laucala des „late Malcom Forbes“ gewesen war, der ihn einmal offenbar dazu verleitet hatte, mit einer Segelyacht nach Neuseeland zu segeln. Auf der Yacht sei er dann kurzerhand zum Navigator erkoren worden. Mehrheitlich unter Maschine hätten sie dann Neuseeland doch erreicht, wenngleich praktisch alle seekrank geworden seien.

Laucala gehört heute dem Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz und soll eines der teuersten Ressorts der Südsee sein. Zwischen schlappen 7'000 und 36'000 US$ soll eine Übernachtung dort kosten. Obwohl es nur teilweise fertig gestellt sei, habe dort schon John Travolta genächtigt. Ja, umnächtigt muss man sein.

Maitangi Ressort entpuppte sich dann als mittelteures Etablissement, das aber mit uns daher gelaufenen Cruisern auf sympathische Weise umging. Bernhard und ich entschlossen uns, am nächsten Tag an zwei Tauchgängen teilzunehmen. Vor allem der erste, am Tauchspot Corner gelegen, sahen wir zunächst jede Menge recht ansehlicher Trigger-Fische sowie viele weiteren Fische, unter anderem auch einen Weissspitzenhai.

Das Mittagessen war in der Tat exquisit - allerdings kann ich, jetzt wo ich das zwei Monate später aufschreibe nicht mehr sagen, was ich genau gegessen habe: Muss wohl irgend ein Lammgericht gewesen sein...

Auf Maitangi haben sie eine kleine Auffangstation für verletzte Vögel eingerichtet: Nebst Papageien, laut und wie man sich's gewöhnt ist überhaupt nicht schüchtern, besetzen Flughunden die eine Volieren. Einer muss schon relativ lange dort und an Menschen gewöhnt sein. Jedenfalls gelang es mir - auch wegen des engen Maschenzauns - nicht, eine halbwegs vernünftige Aufnahme zu schiessen, denn kaum war ich in Zaunnähe, hing der „chaibe Hund“ auch schon am Gitter.

Rückkehr nach Savusavu über Waievo

Da wir mittlerweile den Anfang des Monats Dezember nicht mehr lange vor uns hatten, wurde es höchste Zeit, nach Savusavu zurückzukehren, um uns langsam aber sicher auf die Rückkehr nach Neuseeland vorzubereiten - einem Zyklon - offiziell begann ja deren Saison schon Anfang November - wollten wir alle definitiv nicht begegnen.

Zum Glück war es dann beim Ankler-auf-Manöver wieder gutes Wetter, denn tags zuvor hatte es - wir kriegten dies unter Wasser erst mit einer gewissen Verzögerung mit - nochmals kräftig geschüttet. Nachdem der Wind etwas aufbriste, setzten wir die Genua, liefen dann während gut 2 Stunden gute 5-6 Knoten, bevor der Wind kurz vor Waievo wieder einschlief. Waievo erreichten wir bereits kurz nach Mittag, wo wir am fast gleichen Ort ankerten, wie seinerzeit mit Jack Fisher. Evi blieb zur Sicherheit an Bord, während Bernhard und ich uns zur Datumsgrenze und zu der Wasserrutsche aufmachten.

Auch wenn es zur unmittelbar oberhalb Waievos gelegenen und vom hiesigen Rotaryclub gesponsorten Datumsgrenze, welche lediglich aus einer Tafel und einem Spalt in der Betonbodenplatte bestand und man also entweder auf heute oder gestern stehen konnte, nur in kurzer Weg war, war er einmal mehr schweisstreibend. Desgleichen der etwa halbstündige Marsch zu einer natürlichen Wasserrutsche. Diese aus ausgewaschenen Steinen geformte und im Flussbett gelegene Rutsche führt über mehrere Becken und bereitet richtig Spass. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn nicht alle Steine sind wirklich rund abgeschliffen und an mindestens einer Stelle, einem richtigen Whirlpoolkanal, hat es mich 360 Grad um die eigene Achse gedreht: Wie wir Segler ja wissen, hat Wasser eine ungeheure Kraft, welche sich auf humane Knochen und Mägen sowie Boote negativ auswirken kann. Zwei einheimische Halbwüchsige, welche sich da vergnügten und sich ihr Taschengeld aufbessern wollten, zeigten uns den Weg und die genauen Ein- und Ausstiegsstellen, v.a. letztere sollte man nicht verfehlen, bevor sich das Flüsschen dann über mehrere Katarakte in ein weiteres Becken stürzt. Die Einheimischen begnügen sich nicht damit, den Kanal liegend hinunter zu rutschen, nein, an mehreren Stellen stehen sie auf und gleiten stehend nach unten. Im Hotel aufliegende Flugblätter mit der Weg- und Flussbeschreibung warnen Touristen allerdings eindringlich davor, dies imitieren zu wollen.

Via Cousteau-Resort kehrten wir direkt nach Savusavu zurück. Uns war dies auch recht, konnten wir so endlich wieder einmal so richtig in den Ausgang und uns von unserer eigenen Küche erholen. NIcht, dass diese schlechte Mahlzeiten geliefert hätte, aber Kochen ist mit Arbeit verbunden und die fidschianischen Temperaturen in der Kombüse sind alles andere als temperiert. Vom Brot backen - damit habe ich auf der letztjährigen Reise in Tonga tatsächlich auch noch begonnen - mag ich überhaupt nicht reden. Immerhin ist mein Brot ein anständiges, kein so flauschiges Zeugs, das auseinanderfällt noch bevor man die Butter darauf hat streichen können und nach nichts schmeckt.

Kein Strom - kein Geld mehr

Unser erster richtiger Ausgang hatte dann zwei verschiedene Enden: Das erste in der Disco des Clubs, gleich hinter unserem Dingisteg beim Surf und Turf-Restaurant, als um etwa zehn der Strom ausging und nicht wieder kam. Mit Lusi, der Managerin des Clubs, und einigen weiteren trinkfreudigen Fidschianern machten wir uns zum Hotel Hot Springs auf, wo an der Bar immer noch kühle Getränke (omen est nomen) serviert wurden. Leider hat sich dann jemand an meiner Hosentasche gütlich getan: Am nächsten Morgen suchte ich vergeblich nach meiner Börse. Das Blöde daran ist, dass sich auch Identitätskarte, Halbtaxabonnement und zwei Kreditkarten darin befanden. Fidschidollar hatte ich fast keine mehr, ich wollte eigentlich noch zu einem Bankomaten gehen, habe es aber wegen des Stromausfalls bleiben lassen. Pech also nicht nur für mich...

Die Umtriebe mit Anzeige auf der Polizeistation und dem Sperren der Kreditkarten hätzte ich mir aber gerne erspart. Da sich die Fidschianer alle immer so freundlich und hilfsbereit gezeigt hatten, habe ich mit einem Diebstahl zuletzt gerechnet. Genau so erwischen sie einen!

Aber Lusi und ihr Mann Isaak waren sehr betroffen und bemühten sich, heraus zu finden, wer alles mit von der Partie gewesen war und es gab ein fast endloses Palaver, wer es hätte gewesen sein können. Aber die Börse fand auch auf diesem Weg nicht den Weg zu ihrem legitimen Eigner. Als positives Ergebnis könnte man höchstens vermerken, dass unser Kontakt zu einigen locals noch gefestigt wurde. Gamlesch, der indischstämmige Manager des grossen H&M-Supermarktes in Savusavu lud uns in der Folge - Isaak arbeitet bei ihm als Sicherheitschef, zu sich nach Hause zu einem Curry ein. Er wohnt mit seiner Frau, einem Kleinkind und seinen Eltern an bevorzugter Lage am Hügel mit Blick auf die Ankerbucht. Nach der Begrüssung mit den komplizierten Namen, die ich fast alle unmittelbar wieder vergessen habe, setzten wir uns zunächst auf eine Bodenmatte zum Kava- und Biertrinken. Dazu gab es Curryfleisch von der Ente, Brotfladen und Reis. Als wir nach einer guten Stunde alle voll waren, lud er uns zu Tisch!!! Da hat selbst Bernhard, ein sonst sehr strammer Esser, kurz gestöhnt und beinahe auf der Stelle schlapp gemacht.

Eine interesasante Tastsache war, dass Diebstähle in Fidschi offenbar weit verbreiteter sind, als von uns angenommen. Gamleschs Vater arbeitet nämlich im Cousteau-Resort. Er sagt, dass alle Trinkgelder in einen Pot kämen und dann an Weihnachten unter den Angestellten verteilt würden. Aus dem gleichen Topf würden den Gästen aber auch Gestohlenes vergütet: Letztes Jahr sei das Weihnachtsgeld um 1000 F$ herum gewesen, dieses Jahre kriege jeder der rund 200 Angestellten nur etwa 100 F$, da der Pot beinahe ganz für Rückerstattungen von Diebstählen aufgebraucht worden sei.

Auch später haben wir von Seglern relativ oft von den üblen Zuständen auf Fidschi gehört. Einige meinten, sie würden nie mehr dahin zurück kehren. So würde ich es nicht ausdrücken, aber aufpassen werde ich in Zukunft wieder vermehrt.

Eigentlich wären Bernhard und ich gerne nochmals tauchen gegangen.Etwa mit Collin von Koro-Sun-Divers, der immer wieder von seinem Platz mit den „100 hammerheads“schwärmte, oder aber zum relativ nahegelegenen marinen Reervat ....., wofür er aber mehr Leute benötigte. Aber die Vorbereitungen drängten. Mir war eigentlich schon seit einigen Wochen nicht mehr ganz wohl, denn von anfangs Dezember an ist wirklich Wirbelsturmzeit...

Also tanken, bunkern, Seeanker und Dingi auf Deck bringen, Den schweren Hauptanker in die Backkiste nach achtern bringen und mit einer leichten Alu-Version mit Trosse ersetzen, dann Probefahrt machen mit dem Pinnenpilot als Ersatz für den ausgestiegenen Autopilot, der Inspektion des Riggs und dem - für mich - nochmaligen Reinigen des Unterwasserschiffes vor Cousteau. Das Schlagen im Vorstag war Folgendes: Das Fall der Genua hatte Evi vor ihrer Abfahrt in die USA entlastet, aber vergessen, es wieder zu straffen. Den Grossteil der Arbeiten erledigten Bernhard und ich alleine. Evi war vor allem mit dem Schreiben von Mails für Curly beschäftigt. Einmal mehr hatte er Probleme mit seinem Fall: Diesmal war es sein Anwalt, der seiner Meinung ein viel zu hohes Honorar einforderte und dieses nicht in zu der vom Gegner geforderte Summe dazugeschlagen hatte...

Am Freitag, 7.12.12 waren wie dann soweit, also gerade noch zur rechten Zeit bevor sich die Depression von Vanuatu her kommend zu einem veritablen Zyklon entwickelte. Evan, wie der Sturm schliesslich benannt wurde , hat vor allem in der Nähe von Denerau auf Viti Levu grosse Schäden hinterlassen. In Savusavu, wo der sich entwickelnde Sturm einiges an Aufregung verursacht hatte, soll es nur ein Boot losgerissen haben, das dann an zwei anderen Schiffen einige Schäden angerichtet hätte. Ein absolut spannendes Ereignis muss das Auf-Grund-Setzen der einen grossen Fähre in der Ankerbucht, welche ja zugleich auch eine Flussmündung ist, gewesen sein.

1170 nautische Meilen vor uns

Nach dem Erledigen der Zollformalitäten hat man nach Reglement nur eine Stunde Zeit, bis man den Ort verlassen muss. Allerdings wurde dann dies nicht so streng gehandhabt und wir hatten, als wir den Zoll um 15 Uhr verliessen, bis 17 Uhr Zeit, dies zu tun. Letzte Einkäufe dann: Leinen los. Um das gute Wetterfenster zu finden hatte Evi gleich zwei Meteo-Gurus beschäftigt: Ein Bob Mc Davitt und ein David und eine Patricia von Gulf Harbor Radio in Neuseeland. Letztere hatten gar keine Freude, als sie merkten, dass Mc Davitt für Geld das gleiche macht, wie sie gratis...

Hauptsache war aber, dass das Wetterfenster perfekt passte. Erst aber stimmten die Vorhersagen mit wenig Wind überhaupt nicht, denn kaum waren wir aus der Bucht von Savusavu heraus, blies es mit zwischen 20 und 25 Knoten Wind aus südwestlicher Richtung. Wir liefen also ziemlich hoch am Wind und machten gute Fahrt. Bernhard war es erst etwas mulmig zu Mute, er erholte sich aber wesentlich schneller als Evi, die veritable vier Tage leiden musste. Ihr Sohn hatte ihr letztes Jahr klar gemacht, wie schädlich und gefährlich Stuggeron sei, ihr Mittel gegen die Seekrankheit. Bei mir war es glücklicherweise wieder einmal überhaupt kein Problem. Ein Problem gab es für mich dann nur dreimal nachts, als ich aus meinem wohl verdienten Schlaf geholt wurde. Meine Schicht dauerte normalerweise von morgens vier bis acht (meist bis neun oder zehn), so dass ich meist um acht in die Koje ging.

Das erste Mal völlig unnötigerweise, als ein Fischerboot relativ nah achterlich vorbei lief. Evi versuchte ihn auf VHF anzurufen, er reagierte aber nicht. Kein Wunder, denn sie hatte ihn auf Kanal 18 angerufen... Auf 16 reagierte er prompt und meinte, dass er achterlich vorbeilaufe, was ich eh schon längst bemerkt und Evi gesagt hatte. Wenn ich da an den Schiffsverkehr zwischen Gibraltar und Genua denke, also jene Route, welche ich bei jeder Überfahrt nach Korsika kreuze, und wie nahe da manchmal die wirklich grossen Pötte kommen...

Das zweite Mal war das Wecken wirklich berechtigt, denn wir hatten einen Wassereinbruch. Achterlich, was mich sogleich an die Stopfbuchse denken liess. Es war tatsächlich so, dass die Befestigung der Stopfbuchse sich gelöst hatte, das Problem war schnell gelöst. Allerdings machte sich ein weiteres Problem unangenehm bemerkbar: Die automatische Bilgenpumpe quittierte ihren Dienst. Das hiess, dass wir von nun an zweimal auf jeder Wache die Bilge kontrollieren und - wenn nötig - auspumpen mussten.

Das dritte Mal war dann nicht Evi Schuld, sondern der Wind, der mit Bernhard sein Spielchen trieb. Bernhard machte in der Folge zwei 360°-Dreher. Beim ersten wurde ich aus der Koje geholt, um uns wieder auf Kurs zu bringen, den zweiten „Strafkringel“ korrigierte er dann selber wieder - er hatte nämlich zugeschaut, wie ich es machte... Allerdings erlebte ich den zweiten in der Koje genau mit. Mittlerweile war ich zwar wieder trocken - mit der Front waren nicht nur bis 36 Knoten Wind verbunden, sondern auch prasselnder Regen und an Schlaf war vorerst nicht mehr zu denken. Denn ein weiteres Problem liess mir keine Ruhe: Irgendwie sog es unsere Batterien mit 15 Ampère-Stunden leer, obwohl wir alle Verbraucher ausgeschaltet hatten. Was war los? Wie könnten wir ohne Strom nach Neuseeland gelangen? Na klar, segeln! Was so einfach tönt, hat es aber in sich: Keinen Autopiloten mehr, also in Schichten Rudergehen. Keinen Funk mehr, wie sich also in Neuseeland 48 Stunden vor Ankunft anmelden? Wie kochen, da die Gaszufuhr durch eine Magnetspule (solenoid), die Strom benötigte, gesichert und geregelt wurde? Wie die Navigation sicherstellen, ohne GPS? Beunruhigend für mich war vor allem die Tatsache, dass sich Evi, nachdem sie das Problem abends bemerkt hatte, nicht sogleich auf Lösungssuche ging. Sie litt schlicht und einfach noch zu sehr unter ihrer Seekrankheit, um das Problem anzugehen. So wurden die Batterien bis zu meiner Wache um vier Uhr morgens munter leergesaugt.

Während meiner Wache wechselte der Wind wieder einige Male. Keine Sache; etwas Segel rein, wenn er auffrischte, wieder raus, wenn er abflaute. Einmal war ich drauf und dran, die Maschine zu starten, weil ich teils kaum mehr zwei Knoten Fahrt machte. Meine etwa zwanzig minütige Geduld wurde dann aber belohnt mit recht gutem Wind. Gespannt wartete ich auf den Moment, wenn Evi sich der Batterien annehmen würde. So gegen neun war dies dann der Fall. Kaum war sie in die Achterkabine gekrochen, war der Fall klar: Die Koje war richtig heiss! Der Boiler produzierte heisses Wasser im Überfluss, obwohl alles abgestellt war. Der Grund war sofort klar: Evi hatte – sparsam, wie sie nun mal ist – einen Regler einrichten lassen, damit der vom Windgenerator zu viel produzierte Strom zur Erwärmung des Boilerwassers verwendet würde. Durch den relativ starken Wind wurde offenbar der Regler überlastet und so wurde fortan ständig Heisswasser produziert. Als sie das entsprechende Kabel gekappt hatte, war unser Stromverbrauch zurück auf normal und die Batterien wurden wieder geladen. Nochmals Schwein gehabt, die Notfallszenarien verschwanden wieder aus dem Hinterkopf.

Am Morgen des 16. Dezember gelangten wir zur Einfahrt in die Bay of Islands vor Opua. Ein herrlich gefärbter Morgenhimmel und Sonnenaufgang kündete den bevorstehenden Wetterwechsel an. Wir hatten jetzt auch wieder den einen und anderen

Segler in der Nähe. So um neun machten wir am vom Land abgetrennt liegenden Quarantänedock fest und meldeten unsere Ankunft den Zollbehörden. Die kamen einige Stunden später und liessen unsere guten Fleischstücke, unsere ganzen Kokosnüsse und sogar Evis wohl seit Jahren an Bord befindenden griechischen Honig – verpackt in einer Metalldose – zur Vernichtung mitgehen. Auch wenn uns das ein wenig bedrückt hatte – die Stimmung bei der Ankunft nach einer längeren Fahrt ist immer gleich: Man ist erleichtert, man ist glücklich, ja beinahe ein wenig stolz, es wieder einmal geschafft zu haben. Keine(r) denkt mehr an die anfängliche Seekrankheit oder an andere Unannehmlichkeiten. So trank ich denn am Morgen noch das Anlegerbier und ein zweites, denn ich hatte die Wette um die Ankunftszeit gewonnen. Wir hatten jeden Tag auf das Etmal (Etmal nennt der Segler die zurückgelegte Distanz in 24 Stunden) gewettet und natürlich auch auf die Ankunftszeit. Diese Wette liess mich einige Male die letzten Stunden – unsere Tagesetappen endeten immer um 17 Uhr (unsere Abfahrtszeit) – von Hand steuern, um noch einige zusätzliche Meilen heraus zu holen. Ein Autopilot steuert ja nie den direkten Weg, sondern beschreibt eine Schlangenlinie auf der Kurslinie.

So viel Arbeit die Vorbereitung einer Überfahrt bereitet, so viel Arbeit bereitet auch die Ankunft. Natürlich müssen die Anker wieder an ihre Orte gebracht, muss die gesamte (Bett-)Wäsche gemacht werden und last but not least müssen die Reparaturen an die Hand genommen werden.

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Bemerkungen zu den Wetterberichten.
Von der Great Barrier Island über Kawau Island (Bestes Steak mit Pommes und 2 Spiegeleier für 18.50$, ein Bier 7$ Preise, Löhne, 300$ Rente in NZ) um Waiheke Island zur Chamberlains Bay auf Ponui Island Schrecken über Schrecken (Vermeintlicher Ruderverlust, dann Überhitzen des Motors - Gekonnter Ersatz des Impellers durch Dan.
Ponui Island nach Auckland