Erstens kommt es, zweitens anders, drittens als geplant… Mit Marius Sax unterwegs in Neuseeland

05. Mai 2014
Nachdem ich mit dem Beginn der Frühlingsferien mein Quartal in Weinfelden abgeschlossen hatte, freute ich mich auf die ersten Tage auf dem heimischen Untersee. Und in der Tat bot der Frühling 2014 so ziemlich alles: von kalten bis angenehm warmen Segeltagen; von Flaute bis Starkwind.
Einige Tage waren sensationell, recht warm und doch mit einem zügigen Wind, der einen manchmal fast gerade see auf- oder abwärts segeln liess. Natürlich freute ich mich auch besonders auf die geplante Seereise mit dem Neuseeländer Dan auf seiner «Maevy’s Joy», einer 45-Fuss Zement-Sloop, mit der ich im Januar 2013 von Opua nach Golf Harbour gesegelt war.
Als nur noch fünf Tage bis zum Flug waren, schrieb Dan ein Mail, in dem er mir bedauernd mitteilte, dass er wegen Herzproblemen die Reise absagen müsse und das Boot verkauft habe…
Fünf Tage war ich hin und her gerissen, wälzte mich mit dem Clash-Song: «Should I stay or should I go?»
Den hier beginnenden Sommer mit dem in Neuseeland beginnenden Winter eintauschen? In Opua auf ein eventuell nie eintreffendes Boot warten; dort, wo um 19 Uhr das einzige Café zuschliesst, wo es ausser dem «General Store» nur noch den Yachtclub gibt, geöffnet von 16 bis 22 Uhr? Je zweimal rund 35 Stunden dauernde Reisen für nichts und wieder nichts? Aber einen Retourflug nach Auckland einfach verfallen lassen?
Erst am Abend vor dem Abflug entschied ich mich: Abenteuer statt Sicherheit. Früher wäre das von Anfang an klar gewesen. Aber eben, das Älterwerden. Doch der Alternativen dazu gibt es auch kaum erfreuliche…
Da der Flug nach Wien mit der Swiss eine gute halbe Stunde Verspätung hatte, konnte ich dort direkt in den Weiterflug nach Bangkok einsteigen. Zum Glück hatte ich – was ja heutzutage selten geworden ist – drei Sitzplätze für mich, so dass ich doch tatsächlich die eine und andere Stunde geschlafen oder zumindest gedöst habe. Da ich in Bangkok gut vier Stunden Aufenthalt hatte, konnte ich dann meine Mails lesen und schreiben und schauen, ob sich schon was ergeben hat. Offenbar gibt es einen Deutschen, der nach Tonga segelt. Zudem konnte mir Beat in Paihia ein günstiges Hotelzimmer (50% Rabatt) vermitteln, denn er arbeitet dort als Mädchen für alles. Der Schweizer Beat ist seit einigen Jahren mit seiner Frau Beatriz, einer kolumbianischen Tänzerin, auf seiner selbst gebauten «Aluna», einem 38-Fuss-Warrham-Katamaran, unterwegs und ich hatte ihn in 2012 in Fidschi erstmals getroffen.
Und bereits habe ich in Bangkok wieder ein Mail gekriegt, diesmal von Marcus, der Deutsche, der nach Tonga segeln wird. Sein Boot ist in Opua auf A9. Es wird sich also sicher etwas ergeben. Es schaut schon wieder besser aus.
Schlechter – sprich viel besser besetzt – war dann leider der Flug nach Auckland, ein knapp elfstündiger Hammer. Ich hatte auch den Bus von Auckland nach Opua/Paihia bereits übers Internet gekauft. Die Verbindung war allerdings ziemlich knapp. Das war mir bewusst. Als dann der Flug etwa eine halbe Stunde Verspätung hatte, sah ich natürlich meinen Bus ohne mich fahren. Die Fahrerin des Transfer-Buses meinte dann auch, sie habe 50 Minuten bis zum Terminal. Und der Bus fuhr in 30 Minuten. Also fragte ich einen indischen Taxifahrer mit Turban. Er brachte mich mit einer rassigen Fahrt gegen Aufpreis noch rechtzeitig zum Bus. Beatriz und Beat holten mich an der Haltestelle ab, gemeinsam ging es zum nahe gelegenen Bounty Inn, ein Hotel der mittleren Klasse ($100 pro Nacht). Sie luden mich dann gleich noch zum gemeinsamen Abendessen mit ihrer Bekannten Betty ein, welche hier einen Souvenierladen führt.
So gegen zehn fielen mir dann die Deckel immer wieder runter, so dass ich in die Federn kroch.


Opua Log

Am Mittwoch wanderten wir am Nachmittag nach Opua, ein gut eineinhalbstündiger, schöner Marsch der Küste entlang, wo Beat Phils Auto bis Donnerstagmorgen bekam. Da Beatriz in Kerikeri einen Pilates-Kurs erteilt, musste er sie dorthin bringen. Wir nutzten die Gelegenheit, um dort einzukaufen, ich bereitete das Abendessen zu: Red Snappers auf einem Zucchetti/Zwiebel-Bett an einer Rahm-Sauce und Reis. Den Donnerstag verbrachte ich damit, mit den Leuten, welche ich noch kannte, Kontakt aufzunehmen. Sei es Bob, der Verkäufer im Marina-Laden, Ted der Alleskönner in seiner Garagenwerkstatt oder der hinter dem General Store vertäut liegende Schotte. Alle halfen mir mit Tipps weiter. Der Schotte wusste, dass am Abend im Yachtclub ein Vortrag zu Segelreisen nach Indonesien stattfand. Eine Gelegenheit, um Cruisers zu treffen und weiter zu fragen. Im Yachtclub traf ich dann auch Marie wieder an, welche die Bar führt. Sie hat wohl den besten Überblick auf alle Segler, die kommen und gehen. Die auf den ersten Mai geplante Abfahrt der ICA-Flotte hat sich zwar verzögert, sie ist jetzt auf nächsten Dienstag verlegt worden. Aber natürlich sind alle Crews vollständig…
 

Auch den Deutschen Marcus fand ich an seinem Hafenplatz. Er will seine Ovni nach Tonga überführen, wo er für Chartergäste Wale beobachten will. Momentan wartet er noch auf Ersatzteile, er möchte aber vor dem 20. Mai lossegeln. Er will einen Zwischenhalt zum Tauchen auf dem Minerva Riff einschalten. Er habe aber schon einen Australier als Crew…
Ein Wechselbad von Bangen und Hoffen würde mich wohl noch einige Tage begleiten. Im Yachtclub traf ich auch Yves, einen Segler aus Marseille, der seine Yacht zur Zeit an Land stehen hat und mit Instandstellungsarbeiten beschäftigt ist. Er wird auch Mitte Mai zu den Inseln segeln und würde mich allenfalls mitnehmen. Ein weitere meinte, dass Sandy und Terry hier seien und wohl bald nach Tonga aufbrächen. Ich solle doch fragen, ihr Boot «Pontus» liege beim Moorings-Steg. Sandy und Terry kannte ich von Tonga her, wo sie die Moorings.Niederlassung leiteten; das könnte es wohl sein, dachte ich.
Da ich nicht wusste, wie ich nachts nach Paihia kommen sollte, fragte ich Marie, welche mir prompt eine Fahrt mit dem Koch vermittelte. In der Beziehung sind die Neuseeländer wirklich kaum zu übertreffen: freundlich und äusserst hilfsbereit.
Am nächsten Tag machte ich zum Zeitvertreib eine Bootsfahrt nach Russell. So alle 10-20 Minuten fährt eine kleine Fähre, eine Retourfahrt kostet $12. Beide Male unterhielt ich mich mit den Steuermännern. Der zweite, ein seit 18 Jahren hier wohnender Pfälzer, meinte, am Samstag sei die Jahresschlussregatta in Russell und dort würden sie immer auch Mitsegler nehmen. Warum nicht, dachte ich und beschloss im Yachtclub nachzufragen. Weil Beatriz am Freitag im Gemeinschaftszentrum in Opua einen Yogakurs anbot, den Betty besuchen wollte, hatte ich eine Mitfahrgelegenheit nach Opua.
Während des Kurses besuchte ich den Yachtclub und innert weniger Minuten hatte ich dank Maries Vermittlung eine Mitsegelgelegenheit auf Nevilles Yacht «Kantime». Wir verabredeten uns entweder kurz vor elf an seinem Hafenplatz B25 oder zwanzig vor zwölf am Pier in Russell.
Da ich immer spätestens um halb acht wach war, dachte ich, allenfalls nach Opua zu wandern. Bis ich dann aber unterwegs war, war es bereits nach neun und es drohte knapp zu werden. Trotzdem wanderte ich los. Da das erste Teilstück der Strasse entlang war, benutzte ich meinen Daumen. Und siehe da, schon bald stoppte ein älteres Paar, welches mir eine Fahrt bis auf die Anhöhe über Opua gab. Da die Leute wissen, dass hier oft Segler auf eine Mitfahrgelegenheit warten, ist Autostopp hier sehr gebräuchlich und es offenbar recht einfach wegzukommen.
Dadurch hatte ich sogar noch Zeit im Café einen guten Flat White zu geniessen und die Zeitung zu lesen, bevor ich mich dann zum Steg aufmachte.
 

Die «Kantime» ist rund 13 Meter lang, sehr grün und hat vier Salinge, ein offenes Heck, zwei Steuerräder. Gesegelt wird sie normalerweise zu siebt. Da die aktuelle Crew nur sechs Personen umfasste, war ich willkommene Ergänzung. Das Team ist sehr eingespielt. Meine Funktion waren die Vorsegelwinschen bedienen und unter Spi das Führen des Spibaums. Zum Bergen, musste ich nach vorne und den Spi auf der Höhe des Mast trocken an Bord bringen. Der Regatta-Kurs bestand aus etwa zehn verschiedenen Kursen, Vorwind- wechselten mit Raumkursen; zur Verfügung standen zwei Genacker und ein Spi. Nach dem Start, den wir optimal erwischten, lagen wir in Führung, ganz knapp vor dem knapp 6 Meter grossen offenen Boot «Cut Lunch», welches war von Opua nach Russell gezogen hatten. Die Segler kennen sich hier alle. Und da die beiden in «Cut Lunch» mit einem kleinen 2PS Aussenborder unterwegs waren, als wir sie auf dem Weg zum Start überholt hatten, wurde kurz gefragt: «wanna tow?» und der Tampen rüber gereicht. Schon da witzelte der eine: «Wir ziehen euch nur, damit ihr euch an den Anblick gewöhnen könnt!»
Auf dem zweiten Schlag überholten sie uns dann allerdings, der Wind war für uns einfach zu wenig stark. Aber trotzdem herrlichstes Segelwetter, keine Wolke am Himmel und eine schöne Brise, die zwischendurch auch mal auffrischte. Auf dem ersten Spikurs konnten wir dann alle ein schönes Stück distanzieren. Und das blieb so bis zum Schluss. Auch ein gegen Ende noch stark aufkommender Katamaran blieb nach dreieinhalb Stunden um über eine Minute geschlagen.
 
 
13. Mai 2014
Noch sind wir in Opua an Land....
Weitere Folge des Berichts

Am Montag kriegte ich ein Mail von Marcus, dass er definitiv einen Platz auf «Alita», eine 49-Fuss-Ovni, habe und vorhat vor dem 20.5. nach Tonga zu segeln. Dazwischen ist ein Halt in Minerva Nord geplant. Yeah – da war ich noch nie. Die Geduld scheint sich gelohnt zu haben. Klar, das Wetter muss auch noch wollen, dereinst, wenn dann die Ersatzteile für den Wassermacher noch hier eingetroffen sein werden. Der Wassermacher ist für Marcus, der aus München stammt, deshalb besonders wichtig, weil er sein eigenes Bier braut: Auch dies ist für mich eine Neuheit, ein Schiff mit eigener Hausbrauerei. Da soll der Wartmann einpacken…
Leider gibt’s noch ein Problem: Die Welle hat eine kleine Unwucht, wodurch die Dichtung an der Welle eben nicht mehr dicht ist. Heute fahren wir zur Bucht, wo Kevin, der unsere Baumpersenning ändern soll, wohnt und werden über Nacht dort ankern und das Motor- resp. Wellenverhalten testen. Tatsächlich sind wir dann des starken Leckend wegen direkt zurück gefahren.
Gestern, d.h. am 7.5.  waren wir im OCC, Opua Cruising Club, habe mir anlässlich meines Geburtstags ein Steak gegönnt, nebst einigen Bieren.
Die Probefahrt war leider keineswegs erfolgreich: Die rund vierstündige Ausfahrt zur Parekura Bay erfolgte im Hinweg unter Maschine, auf dem Rückweg konnten wir die Genua setzen. Doch mehrere Liter Wasser waren in der Motorenbilge, keine gute Voraussetzung für einen längeren Törn. Also heisst es jetzt wieder einmal warten. Bis Mittwoch sollte dann die Dichtungshalterung, die wie wir nach dem Ausbau an Land dann feststellen konnten der Grund fürs Lecken war, hier eintreffen. Per DHL aus Australien. Viele Cruiser, welche hier ihr Boot an Land stellen, um Überholungsarbeiten zu machen, teilen dieses Los. Es empfiehlt sich auch die Reparaturen hier zu erledigen, denn das technische Know-how ist vorhanden und die Zustelldienste funktionieren einwandfrei.
Am Abend trafen wir uns mit vielen anderen Seglern im Yachtclub. Um Seglers-Mitternacht (d.h. um 21 Uhr!) ging es dann zurück aufs Boot und alsbald in die Koje. Allgemein geht man an Bord eines Schiffes zeitig in die Koje, dafür ist auch zwischen 7 und 8 schon wieder mächtig viel Betrieb auf den Werften – mit entsprechender Geräuschkulisse.
Samstag 10.5. haben wir einige Arbeiten erledigt, Marcus war am Spleissen, ich habe den Propeller sauber gemacht, so dass er dann gestrichen werden kann. Heute Abend werde ich im Club verbringen, anlässlich der jährlichen Preisverleihung. Diese war hier v.a. Clubintern und nur wenige Weltumsegler waren anwesend. Zusammen mit Yves aus Marseille verbrachten wir einen lustigen und geselligen Abend. Neville von «Kantime» gewann viele Preise, zweimal auch einen Kategorien-Sieg. Yves ist seit einiger Zeit zusammen mit seiner Frau auf einer schnellen 18 Meter Yacht unterwegs. Allerdings ist er jeweils ein halbes Jahr alleine auf dem Boot, weil sich seine Frau mit einer Schwester in der Pflege ihrer Mutter teilt. Er hat mich zu einem Umtrunk auf der «Thalassanté» eingeladen.
Zusammen mit Ted werde ich dann noch auf die «Wonderland» gehen, um die Systeme zu überprüfen. Ich werde ihm sagen, was ich so alles über das Boot weiss. Er meinte, ich sei wohl derjenige, welcher momentan am meisten über das Boot wisse (wenn ich mich noch erinnern kann, ist ja auch schon fast wieder eineinhalb Jahre her).
Gerade hinter uns steht die Rennyacht «Kia Kaha» an Land, die wohl beinahe vier Meter Tiefgang hat. Sie gehört einem Kiwi, der mit Manuela, einer Schweizerin, verheiratet ist. Er wird Anfang Juni mir seiner Yacht an einer Regatta nach Fiji teilnehmen. Er meinte, wenn ich von Tonga nach Neuseeland zurück segeln wolle, ergäbe sich vielleicht eine Möglichkeit … mal schauen, die Strecke bewältigen sie mit der «Kia Kaha» in vier Tagen! Es sei allerdings unbequem, meinte er. Im Juli/August weilen sie mit ihren beiden Töchtern im Primar- und Sekundarschulalter in der Schweiz. Wenn er sich meldet, nehme ich ihn einmal auf einen Schlag auf dem Untersee mit.
Plötzlich ging es wieder Schlag auf Schlag: Ein Mechaniker baute die Antriebswelle aus, sie soll auf Unwucht untersucht werden. Er meinte, dass der Motor in seiner Halterung zu tief liege im Vergleich zur Welle und er sei nicht sicher, ob er dies richten könne; wenn nicht müsse der Motor angehoben werden. Das sei aber eine gröbere Sache… Momentan sieht es aber so aus, dass dies nicht nötig sein wird. Falls doch, werde ich wieder einmal nach einem anderen Boot schauen müssen, respektive werde meinen Aufenthalt hier abbrechen. So langsam drückt das ewige Hin und Her doch auf die Moral.
Zunächst tönte mal wieder alles gut, die Welle ist gerade, ein ganzes Dichtungselement aus Australien eingetroffen, nur ist heute Morgen der Mechaniker bislang noch nicht erschienen. A propos Mechaniker: Oft ist mir Tucholskys Bemerkung zu den Handwerkern in den Sinn gekommen. Sinngemäss tönt das so: Erst kommen sie ganz lange nicht. Wenn sie dann endlich da sind, gehen sie gleich wieder. Weil sie nämlich etwas vergessen haben. Das lässt sich mehrmals wiederholen…
Jetzt – Internet sei dank – habe ich doch den genauen Wortlaut gefunden:

«Die Herren Installateure

Erst kommen sie gar nicht. Dann kommen sie. Dann gehen sie gleich wieder weg: sie haben nämlich ein Handwerkszeug vergessen. Kein Wunder; wenn man ihren Handwerkskasten sieht, so liegen da in schwärzlichem Durcheinander alte Hämmer, Zangen, abgebrochene Stiele, krumm geschlagene Nägel, eine Feile und etwas schmutziger Bindfaden.

Dann kommen sie wieder. Dann gehen sie frühstücken. Dann kommen sie und sagen: »Ja, das funkt nicht ... « Und dann gehen sie wieder weg. Und dann kommen sie wieder und arbeiten furchtbar, drecken die ganze Wohnung ein, hämmern und klopfen ... dann gehen sie wieder weg. Dann probierst du, was sie gemacht haben. Das funktioniert nicht. Und dann fängt alles wieder von vorne an.»

Er führt das dann noch weiter aus, bemängelt den Umgang mit uns Laien und des mürrischen Handwerkers Unlust in seinem Gewerbe und die mangelhafte Ausbildung. Und stellt fest: «Die Pausen zwischen den Handwerkshole- und den Frühstücksstunden werden durch eine jammervolle Arbeit ausgefüllt.»
 


Übrigens war ich auf der «Wonderland», welche ohne ihren Windgenerator, welcher sich offenbar in einem Sturm losgerissen hatte und sich in der Folge selber zerstört, traurig an einer Boje in Stegnähe hängt. Immerhin konnte ich mich noch an die Kombination des Zahlenschlosses erinnern: 4029. Allerdings gelang es uns nicht, die Maschine zu starten. Vermutlich bekam die Maschine entweder keinen Diesel oder das Vorglühen brachte nur eine zu tiefe Temperatur. Ted wird das wohl in den nächsten Tagen zu lösen versuchen. Das Bild an Bord ist noch schlimmer als sonst schon: alles vollgestopft, denn jetzt befinden sich neben Fahrrad auch noch die beiden Aussenborder in der Kajüte… Die Vorstellung, da zu hausen schreckt mich, denn es ist auch ein sehr müffliger Geruch da, nach einem Jahr ohne Lüften und Unterhalt. Schleierhaft ist auch Ted, was mit dem Boot passieren will. Laszlo, Evis Sohn, will es behalten, kann aber nicht segeln. Wie soll es in die USA, genauer nach Florida gebracht werden? Per Transport auf einem Frachter oder durch eine Überführungscrew? Kostet beides wohl in etwa fast so viel, wie man für das Schiff überhaupt noch bekommen wird. Meine Schätzung lag bei 50’000 $; Ted schätzt tiefer: 35’000 $. Es sind einfach zu viele Boote aus den 80er Jahren auf dem Markt, welche keiner mehr will. Zudem sind heute 12 Meter – früher der Traum eines jeden Cruisers – zu wenig. Eben haben wir ein amerikanisches Paar getroffen, welche ihre 40-Fuss-Yacht mit Glück hat verkaufen können. Sie wollen sich jetzt eine 46 Fuss lange kaufen.
Bevor der Mechaniker schliesslich doch kam, gab es noch eine Episode unter dem Titel «Shit happens»: Am Steg neben dem Slip, wo sie vermutlich das mit 2 mal 130-PS-Motoren bestückte Motorbötchen eingewassert hatten, guckte gerade mal noch die Frontpartie frech zum Wasser raus. Innert zweier Stunden haben sie es mit einem Bagger von einer Arbeitsplattform wieder geborgen. Vermutlich war ein Seeventil offen geblieben.

Der Beteuerung des Eigners, eine (die?) Bilgenpumpe habe nicht funktioniert, schenkte das gaffende «Fachpublikum» jedenfalls wenig Glauben. 

Mittwoch, 14.5. um 15 Uhr war es dann endlich soweit, dass wir wieder schwammen. Jedesmal beeindruckend, wie zentimetergenau der Führer des 15-Tonnen Krans fährt und die Boote ein- resp. ausparkt. Auch wenn man nach dem Einwassern wieder aus der Schlinge rausfährt muss man gut aufpassen, denn die Tide kann einen hier mit gut drei Knoten back- oder steuerbords versetzen. Marcus macht das sehr gekonnt, natürlich auch dank des «cheaters», wie Ted den Bugstrahler nennt. 

Donnerstag ist auch der Wassermacher umgebaut. Er hat einen neuen Entsalzerteil (eine neue Membrane), welcher auch bei tieferen Temperaturen – Marcus plant mit seiner Freundin eine Reise nach Alaska – funktioniert. Üblicherweise arbeiten Wassermacher nur bei Temperaturen über neun Grad. 

Samstag, 17.5., endlich: Heute war provisioning day: Das bedeutet zwar Einkaufsstress und ne Supermarktrechnung von über 400$ bei Pack n’pay in Whangarei, aber es heisst auch, dass es jetzt nicht mehr lange dauert, bis wir  die Leinen kappen können (na ja, wir lösen erst die Spring, dann je nach Tide die Vor- oder Achterleine und am Schluss die Mittelklampe, eigentlich die wesentliche, wenn das Boot über eine solche verfügt). Die interessierten SeglerInnen wissen, wovon die Rede ist, die anderen wird’s nicht interessieren. Am Abend stiess dann auch unser dritter Mann dazu, Matt ein 23-jähriger Aussie und gelernter Schreiner aus Tasmanien, der noch zum Surfen im Norden Neuseelands war. 

So, 18.5. Nachkauf und Ergänzung mit Frischware in Kerikeri, am Abend noch bei einem Umtrunk zum Adieusagen im Yachtclub.  Gegen elf Uhr hiess es am Montag, 19.5., endlich: Leinen los. Bei anfangs wenig Wind motorten wir aus der Bucht von Opua und raus um den markanten Felsen «Ninepin» herum, welcher die Einfahrt zur Bay of Island markiert. Nach rund fünf Stunden unter Maschine konnten wir dann aber segeln und kamen mit meist etwa sechs Knoten einigermassen zügig voran. In der Nacht schlief dann der Wind wieder ein, so das wieder einige Stunden Fahrt unter Maschine anstanden. 

Auch am zweiten Tag war der Wind sehr gnädig, so richtig zum Einschaukeln zunächst. Gegen Sonnenuntergangg fingen wir dann die ersten Fische: ein kleiner Thunfisch und ein mittelgrosser Mahi-Mahi (deutsch: Goldmakrele), ein sehr schmackhafter und auch gwehriger Fisch, der nahe der Oberfläche lebt und jagt und deshalb den Longlin- und Netz-Fischern entgeht. Meist endet dann der Kampf recht blutig an Deck…

Am dritten Tag war dann plötzlich bei etwa 5 bfr eine sehr unangenehme Welle da, die uns richtig durchgeschüttelt hat. Für mich in der Pantry wieder einmal ein richtiger Test, den ich zwar ohne Kotzen überstand, aber nur dank Vaters altem Trick: Zweimal schlucken, wenn es das erste Mal wieder hochkommt.

Nach drei Tag fühlten wir uns alle dann wieder richtig vögeliwohl. Die Erfahrung bleibt die gleiche: Die ersten drei Tage sind immer (je nach Seegang mehr oder weniger) schwer, vom dritten Tag an ist alles gut. Nach sechseinhalb Tagen kamen wir dann am Samstag, 25. Mai, im südlichen Minerva Riff an, das von der Form her einer liegenden Acht gleicht. Das sieht man aber nur auf der Karte, vom Boot aus sieht man nur die brechenden Wellen und bei Ebbe einige Korallenstöcke, welche bis etwa 50 Zentimeter aus dem Wasser ragen. Richtig angenehm war es allerdings nur, weil wir zur Nipp-Zeit dort ankamen, dann ist der Unterschied zwischen Hoch- und Tiefwasserstand geringer. In der Springzeit ist die Flut so hoch, dass die Wellen übers Riff reichen und es dann merklich unruhiger wird. Das war nach vier Tagen dann der Fall, weshalb wir nach Minerva Nord wechselten, wo das Riff deutlich höher ist.

Am zweiten Tag konnten wir unseren ersten Schnorchelausflug machen, das Riff bestaunen und seine Bewohner. Gleich zu Beginn – sie kontrollieren ihr Revier gut – tauchten drei graue Riffhaie auf und beguckten uns. Auch sonst hatte es jede Menge Fische verschiedenster Farben und Grössen. 

Kurz bevor wir am 27. Mai im nördlichen Minerva Riff ankamen, reagierten unsere beiden heckwärts ausgelegten Angeln heftigst: Auf der einen Seite glaubten wir, einen Wahoo zu erkennen, der sich aber bald selbst befreite, indem er den Köder abbiss. Auf der anderen Seite kämpfte ein über ein Meter langer Mahi-Mahi vergebens um sein Überleben. Also hatten wir wieder für ein paar Tage Fisch.

 

 

Auf dem nördlichen Riff suchten wir dann nach dem Eindunkeln nach crayfish, den örtlichen Langusten oder Hummer, welche allerdings keine grossen Scheren besitzen. Sie sind allerdings sehr schwer auszumachen, meist kann man nur ihr Augen im Licht einer Taschenlampe erkennen und muss dann sicherstellen, dass sie nicht entkommen können. Keine leichte Aufgabe, doch schafften wir es in drei Einsätzen ein halbes Dutzend zu fangen. Beim letzten Ausflug war auch ich erfolgreich. Joe und Brat von der US-Yacht «Huck» (eine 43-Fuss Shannon-Ketsch) hatten weniger Glück. «Hucks» Crew mit Heidi, die aus Mississippi stammt, hatten wir schon in Opua kennen gelernt. Sie segelten rund eine Woche nach uns ab und trafen nach rund acht Tagen in Minerva ein.  

Eigentlich wären wir gerne noch einmal nach Minerva Süd zurück gekehrt, denn zum Schnorcheln ist es dort eindeutig besser, doch während der günstigen Tide war der Wind zu stark.

Deshalb setzten wir am 4. Juni die Segel und erreichten am Freitag, 6. Juni, in der Frühe nach einer sehr bewegten Fahrt (meist sechs bis sieben Knoten gegen den Wind und die Wellen) gegen eine relativ starke Strömung Nuku’alofa, den Hauptort Tongas. Mit gesetzter Quarantäne-Flagge legten wir am ehemaligen Fuel-Dock an und warteten auf den Zollbeamten, welcher dann um zehn Uhr auch auftauchte, sich entschuldigend, dass er eben noch ein Meeting gehabt habe. Nach Zoll musste dann noch die Quarantäne, Gesundheit und Immigration erledigt werden. In der Quarantäne meinten sie dann allerdings, dass wir die Gesundheit auslassen sollten, denn die sei zu teuer… Klar, dass das teuer ist, denn es heisst, einen Arzt aufzusuchen und sich von diesem seine Gesundheit bescheinigen zu lassen.

Folglich warteten wir nur noch auf den Beamten der Immigration, welcher aber nicht auftauchte, so dass wir ihn in seinem Büro im Stadtzentrum aufsuchten. Dort hiess es allerdings, er sei dort, wo wir herkamen. Matt begab sich zurück, erschien dann mit Andrew und Carey von der australischen Yacht «Solitary Light», welche noch ein Formular benötigten. Schliesslich beschied man uns, am Montag wieder zu erscheinen. Dies ist allerdings in Tonga nicht weiter tragisch, denn auch wenn man nicht vollständig einklariert hat, darf man sich an Land frei bewegen. Wir waren jetzt also wieder auf «Island-Time», hatten alle zivilisatorischen (Un)-Zulänglichkeiten glücklich hinter uns. Das einzige wofür man sorgen muss, ist, dass man für alles genügend Zeit hat, respektive einplant. Am Freitag Abend verlegten wir uns dann an die Hafenmole auf der gegenüberliegenden Seite, wo man vor Anker mit Heckleinen zum Land verbunden liegt, also quasi «römisch-katholisch», wie man dies im Mittelmeerraum nennt. Marcus brachte dann noch seinen Zweitanker aus, denn es blies auch im Hafen noch mit rund 20 Knoten aus Südwest querab zum Boot.

Das tonische Zeitverständnis wurde mir am Montag darauf, nachdem wir kurz vor zehn tatsächlich regelkonform einklariert hatten, beinahe zum Verhängnis. Im neuen, etwas ausserhalb des Stadtzentrums gelegenen, Postbüro wollte ich Briefmarken für die Sammler unserer Familie kaufen. Tonga hat wirklich sehr schöne und besondere Briefmarken. Im Aushang konnte ich dann eine Auswahl treffen. Die Beamtin, welche meine Auswahl dann zusammenstellen sollte, sei gerade im Mittag, wurde mir beschieden. Nachdem ich dann aber gemeint habe, meine Zeit sei limitiert, denn es war bereits halb zwei – wir sollten um 15 Uhr wieder beim Boot sein – erbarmte sie sich meiner. Nach etwas mehr als einer halben Sunde war nichts Erkennbares geschehen. Nochmals erkundigte ich mich, nach weiteren zehn Minuten erschien die Beamtin mit einer Auswahl von meiner Auswahl, denn sie habe leider nicht alle gefunden. Es waren trotzdem noch genug Briefmarken, um meine limitierten Finanzen zu erschöpfen, denn Kreditkarten wurden keine akzeptiert: Das erste Mal, dass mir im Postbüro das Geld ausging. Dank Matts Aushilfe konnte ich dann trotzdem alle kaufen.

Zurück am Boot wollten wir den querab zur Windrichtung ausgebrachten Danforth-Anker wieder einbringen, was sich aber als schwierigere Aufgabe erwies, denn dieser hatte sich metertief im zähen Hafenschlick eingegraben. Matt folgte der Ankerkette mit seinem Arm, gelangte aber nicht bis zum Ankerschaft. Wir versuchten nun den Anker mit der Yacht von der anderen Seite herauszuziehen, was aber auch nicht gelang. Matt schliesslich begab sich auf ein nahe beim Anker vertäutes Motorboot und riss von dort den Anker weiter aus dem Schlick. Mit der Ankerleine auf der Elektrowinsch gelang es schliesslich, den Danforth auszubrechen. Schliesslich lagen wir dann noch vor Sonnenuntergang auf der anderen Seite des Hafens vor der Insel Pangaimotu, wo «Big Mama» ihr Restaurant hat. Sie ist bei allen Cruisern und den einheimischen Wochenend-Ausflüglern sehr beliebt, betreibt neben dem Restaurant auch einen Souvenir-Shop und ein Wassertaxi zum Hafen. An der Wand hängt auch ein Tafel mit den Bootsnamen der ehemaligen Besucher, «Wonderland» war unter den 2011 aufgeführten Yachten dabei.

 

 

Vor Pangaimotu trafen wir verschiedene andere Cruiser: «Southern Cross», eine 90t Keusch einer Familie aus massivem Tropenholz (5cm dick) in Schottland gebaut und in London und Hobart immatrikuliert, KUPERE, eine Kiwi-Ketsch aus Nelson mit Skip Sean (Färmann im Abel Tasman Nationalpark) mit Tochter und Freund, welche wir erstmals in Minerva Süd getroffen hatten, dann die 50-Fuss Grand Solei des Schweizer Segelclubs… , welche am ARC-Round the World-Rally mitmacht und die ich noch kurz mit dem Dingi besuchte und mit Landfrau Sandra einen Schwatz abhielt, welche allein an Bord zurück geblieben war, da die Männer ihre neue Crew in Nuku’alofa abholten; und schliesslich noch der Australier Gary auf «Freedom Song» mit einem jungen Deutschen als Deckhand.

Am letzten Tag vor unserer Abreise präsentierte sich dann noch Karla, eine 25-jährige Britin aus Bristol, die seit sechs Jahren die Welt bereiste, bei Marcus. Sie wollte von «Solitary Light», welche nun in Tonga keine Crew mehr benötigte, zu uns wechseln (mit tatkräftiger Unterstützung Matts…).  

Bevor wir dann tags darauf wegen einer Trog-Situation, die neben einem 360°-Windrichtungswechsel (von Südost über Nord und West wieder nach Südwest) meist auch Regen zur Folge hatte, nach Atata wechselten, kam Karla dann an Bord. Bis Pangai, von wo ich ja dann zurückflog, war sie mit an Bord der «Alita». Drei Tage weilten wir in Atata vor Anker, erkundigten die Insel mit einem Ressort und einer Primarschule an zwei Tagen. Am ersten unterhielten wir uns im Ressort gut bei Bier, Billard, Tischfussball und Ping Pong: am zweiten besuchten wir die Schule, ich unterhielt mich mit meinem Lehrerkollegen, Matt spielte mit den Jungs, Karla mit den Mädchen.

Am Samstag, 14.6. segelten wir zur unbewohnten Insel Kelefesia, rund vierzig Meilen gegenan, also nordostwärts und warfen Anker in der von Riffen umspülten, jedoch recht gut geschützten und eher kleinen, jetzt aber verlassenen Bucht. An Land sahen wir mehrere Tonganer, welche sich als «Seegurken-Taucher» herausstellten. Mittlerweile kriegen sie pro Kilo 55 Pangai, rund dreissig Franken. Alles geht in den Export nach China. Welche Auswirkung dieses »leerfischen» – es sollte wohl eher «leergurken» heissen – hat, wusste bis jetzt aber niemand. Am nächsten Tag war wieder Landerkundung angesagt. Das Lager der Gurken-Taucher mit vier Männern war wie ehedem da. Wir fanden nach längerer Kraxelei durchs unwegsame Unterholz diesmal auch den Aussichtspunkt, von wo ich «Alita» von oben ablichten konnte.

 

 

Am zweiten Abend gab es dann ein Lagerfeuer an Land mit einem «Einheimischen», er stammt wie alle anderen allerdings von Tongatapu sowie Carey und Andrew von «Solitary Light», welche nebst «Southern Cross» mittlerweile auch ihre Anker geworfen hatten. Andrew hat übrigens die 43-Fuss-Ketsch aus Stahl in seiner Freizeit über Jahre hinweg selber gebaut. Seine Farm, auf der er in der Nähe von Coff’s Harbor Makademia-Nüsse angebaut hatte, betreiben mittlerweile seine Söhne. Zum Abendessen gab es Kartoffeln in Alufolie mit Thunfisch auf dem Feuer und einen Teller Curry von Carey zu einem Bier aus der Kühltasche. 

Matt benutzte die das Riff umspülenden Wellen zum ersten Mal zum Surfen und es gelang ihm tatsächlich mehrmals für längere Zeit aufzustehen. Er surft seit rund sechs Jahren, drei habe er gehabt, um es zu lernen. 

Am Mittwoch, 18. Juni, hiess es dann Anker auf, um etwas nordwärts Richtung Pangai zu gelangen. Da die Distanz recht kurz war segelten wir nur unter gereffter Genua gegenan, was Cruiser sonst getulich vermeiden. Wir wendeten mehr an diesem Tag, als während der ganzen Fahrt von Neuseeland hierher.

Eine sehr schmale Einfahrt führte dann in eine in den schönsten Smaragdfarben schillernde gut geschützt Lagune vor der Insel Telekivavau: another day in paradise.

Da die Alita mit hochgezogenem Schwert nur noch einen Meter Tiefgang hat, lagen wir in nur zwei Metern Wassertiefe (bei Ebbe). Unser zweiter Anker verlor dann in der folgenden Nacht seine Leine, da diese sich an einer Koralle durchgeschürt hatte. Marcus war dann in der Nacht von uns unbemerkt zwei Stunden unterwegs gewesen, um den Anker wieder zu orten und mit einer neuen Leine zu sichern, verlor dann allerdings auch noch seine wasserdichte Taschenlampe. Anderntags fischten wir diese wieder raus und verholten uns anschliessend in den etwas tieferen und weiter südlich besser geschützten Teil der Lagune und belegten eine Achterleine an einer Palme.

Da wieder eine Trogsituation angesagt war, brachten wir auch den Zweitanker wieder backbords aus. 

Tags darauf war wieder einmal eine Erkundungstour angesagt, welche uns rund um die Insel führte. Wir «entdeckten» drei unbewohnte Häuser, die verschlossen, aber wie ein Blick durch die nur teilweise geschlossenen Gardinen zeigte, möbliert waren. Vermutlich Ferienhäuschen reicher Tongaer. 

 

 

Telekivavau verliessen wir nach drei Tagen wieder und ankerten nach einem recht zügigen dreistündigen Schlag vor Uonukuhihifo, bestens geschützt vom Riff auf der einen und der Insel auf der anderen Seite. Auch Uonukuhihifo – welch schöner Name — umwanderten wir. Lediglich eine verlassene Farm machten wir aus, drei Kühe wanderten frei herum und ein Bauer belud mit zwei Söhnen sein Boot mit Kokosnüssen. Am Abend machten wir ein Barbecue mit der einen Hälfte unseres bei der Durchfahrt durchs Alexander-Riff gefangenen Travelli.

Ein kurzer Schlag führte uns an Uhia vorbei zur Insel Uoleva, bereits in Sichtdistanz zum Hauptort der Hapaigruppe, Pangai auf Lifuka.

Wir ankerten beinahe direkt vor Craighs Uolefka Yachtclub. Dort hatten wir vor drei Jahren noch ein Barbecue unter heiterem Himmel genossen. Craigh wohnt mittlerweile dauernd auf Uolefa, ist aber wohl noch am Mariner’s Café beteiligt, welches jetzt von seiner Ex Magda geführt wird. Craigh hatte wohl ausgesprochenes Glück, dass erst das Fundament und die senkrechten Balken standen, als im Januar ein Hurrikan der Klasse 5 mit 150 Knoten Wind über Pangai und Uoleva fegte. Die Schäden in Pangai sind immens und immer noch sehr deutlich zu sehen. Bei allem Schaden grenzt es fast an ein Wunder, dass nur ein Toter zu beklagen war.

Meinen letzten Tag beschlossen wir mit einem Essen und einigen Bieren im Mariners Café. Um sechs war dann tags darauf Tagwache, denn um sieben sollte ich am Flughafen sein. Da das Taxi schon früher an der Mole vor «unserer» Yacht stand, war ich der erste am Flughafen und ein langer, langer Tag begann, welchen ich mit einer Taxitour rund Tongatapu beschloss. Das Eindrücklichste waren sicher die Blowholes an der Küste, wenngleich ich bei Ebbe dort war und die Wasserfontänen, welche durch den löchrigen Fels schossen, eher mager waren.